Manche Unternehmen erhöhen ihre Dividende über Jahrzehnte. Ihr Erfolgsrezept besteht selten aus spektakulären Zukunftsvisionen. Häufig geht es um Zahnpasta, Getränke, Wasser oder Spezialschmierstoffe. Dinge, die auch dann gebraucht werden, wenn die nächste Börsenrevolution eine Pause einlegt.
An der Börse gibt es Unternehmen, die versprechen, die Welt zu verändern. Andere verkaufen Waschmittel. Die einen präsentieren beeindruckende Zukunftspläne. Die anderen überweisen regelmäßig Geld.
Natürlich können auch innovative Unternehmen hervorragende Investments sein. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf Firmen, deren Geschäftsmodell weniger nach Science-Fiction klingt und mehr nach Einkaufszettel.
Während Anleger nach dem nächsten Verzehnfacher suchen, üben sich diese Unternehmen in einer unspektakulären Disziplin: Geld verdienen, einen Teil ausschütten und die Ausschüttung regelmäßig erhöhen.
Das klingt ungefähr so aufregend wie ein gut gewarteter Heizkessel. Im Depot kann es ausgesprochen angenehm sein.
Adel verpflichtet – auch bei der Dividende
Wer sich lange genug zuverlässig verhält, bekommt an der Börse einen Adelstitel.
Als Dividendenaristokraten gelten üblicherweise Unternehmen, die ihre Ausschüttung mindestens 25 Jahre hintereinander erhöht haben. Bei mindestens 50 jährlichen Anhebungen spricht man von Dividendenkönigen. Einzelne Indizes stellen zusätzliche Anforderungen.
Wichtig dabei: Regelmäßig zahlen und jedes Jahr erhöhen sind zwei unterschiedliche Leistungen.
Wer seinem Nachwuchs seit 20 Jahren unverändert zehn Euro zum Geburtstag schenkt, ist zuverlässig. Als dynamischer Förderer des Vermögensaufbaus fällt er trotzdem nicht auf.
Hohe Dividendenrendite? Erst einmal nachsehen!
Anleger sortieren Dividendenaktien gern nach der höchsten Rendite. Acht Prozent sehen schließlich besser aus als drei. Doch eine hohe Rendite entsteht manchmal durch einen stark gefallenen Aktienkurs.
Ein vereinfachtes Beispiel: Fünf Euro Dividende bei 100 Euro Aktienkurs ergeben fünf Prozent. Fällt die Aktie auf 50 Euro, erscheinen plötzlich zehn Prozent – sofern weiterhin fünf Euro ausgeschüttet werden.
Das Unternehmen ist dadurch keinen Cent ertragsstärker geworden. Vielleicht zweifelt der Markt bereits an der nächsten Zahlung.
Eine hohe Dividendenrendite kann attraktiv sein. Sie kann auch eine bevorstehende Enttäuschung ankündigen.
Vier Fragen sind wichtiger als der Adelstitel
Reicht der freie Cashflow?
Nach laufenden Ausgaben und notwendigen Investitionen sollte ausreichend Geld für die Ausschüttung bleiben. Buchgewinn und verfügbares Geld sind nicht dasselbe.
Bleibt ein Puffer?
Wer nahezu alles ausschüttet, hat wenig Spielraum für schlechte Jahre. Welche Ausschüttungsquote tragfähig ist, hängt vom Geschäftsmodell ab.
Wie solide ist die Bilanz?
Hohe Schulden und Zinskosten können die Dividende belasten. Gläubiger stehen mit ihren vertraglichen Ansprüchen vor den Ausschüttungswünschen der Aktionäre.
Kann das Unternehmen weiter wachsen?
Dividenden lassen sich nicht unbegrenzt aus Tradition erhöhen. Langfristig müssen Erträge und Zahlungsströme mitwachsen.
Der schönste Stammbaum hilft wenig, wenn das Geschäftsmodell ausstirbt.
Dividenden sind kein Gratisgeld
Eine Ausschüttung schafft für sich genommen keinen zusätzlichen Unternehmenswert. Das Geld verlässt das Unternehmen. Am Ex-Tag wird die Aktie rechnerisch um die Dividende niedriger bewertet; andere Kursbewegungen können diesen Effekt überlagern. Entscheidend ist deshalb die Gesamtrendite aus Kursentwicklung und Ausschüttungen, nach Kosten und Steuern.
Wer zehn Euro Dividende erhält und dauerhaft deutlich mehr Unternehmenswert verliert, hat kein besonders erfolgreiches Einkommenskonzept entdeckt.
Fazit: Ausdauer schlägt gelegentlich Aufregung
Lange Dividendenserien zeigen, dass Unternehmen unterschiedliche Wirtschaftsphasen überstanden und ihre Aktionäre beteiligt haben. Eine Zukunftsgarantie liefern sie nicht. Ebenso wenig rechtfertigt Qualität jeden Kaufpreis.
Interessant wird eine Aktie, wenn Geschäftsmodell, Finanzen, Wachstum und Bewertung zusammenpassen.
Dafür braucht es keine tägliche Sensation. Manchmal reichen funktionierende Produkte, treue Kunden und ein Management, das mit Geld umgehen kann.
Das ergibt vielleicht nicht die aufregendste Geschichte beim Abendessen. Aber möglicherweise die angenehmere beim Blick ins Depot.
Grundlage: „Strecke machen“ von Daniel Eckert/welt. Unternehmensbeispiele dienen der Veranschaulichung.
Wer sich für das Traden interessiert
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