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Wie viele ETFs benötigt man für ein Portfolio?

Oder: Warum fünf gute Freunde besser sind als zwanzig flüchtige Bekanntschaften!

Bei der Geldanlage gilt ein ehernes Gesetz: Alles auf eine Karte zu setzen ist selten eine gute Idee – außer vielleicht beim Mau-Mau mit den Kindern. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte streuen. Diversifikation ist so etwas wie der Sicherheitsgurt fürs Depot: Man hofft, ihn nie wirklich zu brauchen, ist aber froh, wenn er da ist.

ETFs eignen sich dafür hervorragend. Sie sind günstig, transparent und ermöglichen mit wenig Aufwand eine breite Streuung. Doch dann kommt die entscheidende Frage:

Wie viele ETFs braucht ein Portfolio wirklich?

Reicht ein einziger Welt-ETF? Oder werden es am Ende doch zwölf – „für alle Fälle“? Schauen wir uns das Ganze strukturiert an.

Das Wichtigste in Kürze (für Ungeduldige)
• Mindestens zwei ETFs sind sinnvoll, um Risiken besser zu streuen.
• Ein einzelner ETF reicht nur in Ausnahmefällen aus.
• Zu viele ETFs machen das Portfolio unnötig kompliziert – und oft nicht besser.
• Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern die Streuung und der Inhalt der ETFs.
• Anfänger fahren mit 2 bis maximal 5 ETFs meist am besten.

Reicht ein ETF auf den MSCI World?

Der MSCI World klingt nach maximaler Streuung – schließlich stecken darin rund 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Klingt nach Welt. Ist aber eher: USA mit internationaler Beilage.

Denn:
Über zwei Drittel des Index entfallen auf die USA.
• Japan folgt mit rund 6 Prozent – danach wird es schnell dünn.
• Unter den größten Positionen dominieren Technologiekonzerne wie Apple, Microsoft & Co.

Das ist nicht schlecht. Aber es ist eben auch nicht neutral. Wer ausschließlich in den MSCI World investiert, wettet ziemlich stark auf:
• die US-Wirtschaft
• den Tech-Sektor
• einige wenige Mega-Konzerne

Das nennt man Klumpenrisiko. Und Klumpen im Depot sind ungefähr so beliebt wie Klumpen im Müsli.

Quelle: extraetf.com
Quelle: extraetf.com

Zwei ETFs: oft schon deutlich besser!

Um diese Schwerpunkte auszugleichen, kombinieren viele Anleger ihren MSCI-World-ETF mit einem zweiten Baustein.

Klassiker sind zum Beispiel:
• MSCI World + MSCI Emerging Markets (häufig im Verhältnis 70:30)
• Ergänzend: Small-Cap-ETFs, also kleinere Unternehmen
• Oder gleich ein All-World-ETF, der Industrie- und Schwellenländer kombiniert

Ziel ist immer dasselbe: 👉 Ein möglichst realistisches Abbild der Weltwirtschaft, nicht nur der Silicon-Valley-Blase.

Ein ETF wie der FTSE All-World oder der MSCI ACWI kann dafür eine gute Basis sein. Er deckt Industrie- und Schwellenländer ab – bequem, übersichtlich und ohne Bastelarbeit.

Warum mehr ETFs nicht automatisch besser sind?

ETFs sind günstig. Sparpläne gibt es schon ab 1 Euro im Monat. Das verführt schnell zu dem Gedanken: „Ach komm, den nehme ich auch noch.“

Das Ergebnis ist oft ein Depot mit:
• 9 ETFs
• 3 davon mit fast identischen Top-Positionen
• und einem Apple-Anteil, der größer ist als der Obstkorb im Büro

Ein Beispiel:
Apple hat im MSCI World eine Gewichtung von rund 4,5 %, im NASDAQ 100 dagegen knapp 13 %. Wer beide ETFs gleichgewichtet kauft, hat plötzlich fast 9 % Apple im Gesamtportfolio.

Mehr ETFs – aber weniger Streuung. Das ist, als würdest du zehn verschiedene Autos kaufen – und neun davon sind Teslas.

Die Faustregel: Weniger ist oft mehr

Für die meisten Privatanleger gilt:
• 2 ETFs: solide Basis
• 3–5 ETFs: gut diversifiziert und noch überschaubar
mehr als 5 ETFs: nur sinnvoll, wenn man weiß, was man tut

Denn mit jedem zusätzlichen ETF steigen:
• der Pflegeaufwand (Rebalancing lässt grüßen)
• die Gefahr von Überschneidungen
• die Kosten (Sparpläne, Transaktionen)

Ein Portfolio soll für dich arbeiten, nicht umgekehrt.

Wie viele ETF-Sparpläne sind sinnvoll?

Technisch kannst du beliebig viele Sparpläne einrichten. Sinnvoll ist das selten.

Besser:
• wenige Sparpläne
• höhere Sparraten
• klare Struktur

Drei Sparpläne à 100 Euro sind meist sinnvoller als zehn Sparpläne à 30 Euro. Und sie lassen sich auch leichter durchhalten – was langfristig entscheidender ist als die perfekte ETF-Auswahl.

ETFs im Gesamtvermögen: Wo gehören sie hin?

Ein solides Finanzkonzept besteht aus drei Bausteinen:

1. Notgroschen
o mindestens 3 Monatsgehälter
o jederzeit verfügbar (Tagesgeld)

2. Risikofreier Teil
o Tages- und Festgeld
o dient der Stabilität

3. Risikobehafteter Teil
o hier kommen ETFs ins Spiel

ETFs gehören also nicht an die Stelle des Notgroschens, sondern in den Teil des Vermögens, der schwanken darf – und langfristig Rendite bringen soll.

Wie groß dieser Teil ist, hängt ab von:
• deiner Risikotragfähigkeit
• deinem Anlagehorizont
• deinen Nerven in Börsenkrisen

Zwei Beispiel-Portfolios (stark vereinfacht): Beide Varianten können sinnvoll sein – je nach Mensch, nicht je nach Börsentrend.

Offensives Portfolio
• 70 % Aktien-ETFs (weltweit, inkl. Schwellenländer)
• 10 % Anleihen-ETFs
• 10 % Rohstoff-ETFs
• 10 % Immobilien-ETFs
👉 Mehr Schwankung, höhere Renditechancen.

Quelle: extraetf.com

Defensives Portfolio
• 40 % Aktien-ETFs
• 40 % Anleihen-ETFs
• 20 % weitere Anlageklassen
👉 Weniger Schwankung, dafür geringere Renditeerwartung.

Quelle: extraetf.com

Wie gelingt gute Diversifikation mit wenigen ETFs?

Achte darauf, dass deine ETFs:
• global investieren
• verschiedene Regionen abdecken
• unterschiedliche Unternehmensgrößen enthalten
• nicht alle dieselben Top-10-Aktien haben

Vorsicht bei:
• Themen-ETFs
• Branchen-ETFs
• Länder-ETFs

Sie können eine Beimischung sein, sollten aber selten das Fundament bilden. Außerdem sind sie oft teurer – und nicht immer besser.

Fazit: Die Kunst des Weglassen!

Es gibt nicht die eine richtige Anzahl an ETFs. Aber es gibt viele falsche Gründe, immer noch einen dazuzunehmen.

Für die meisten Anleger gilt:
• Mindestens 2 ETFs, um sinnvoll zu streuen
• Maximal 5, um den Überblick zu behalten
• Ein Welt-ETF kann eine gute Basis sein
• Der MSCI World allein ist meist zu einseitig

Ein gutes Portfolio ist kein Sammelalbum. Es braucht Struktur, Klarheit und Geduld – nicht möglichst viele bunte Bausteine.

Oder anders gesagt: Lieber ein übersichtliches Depot, das ruhig wächst, als ein ETF-Zoo, in dem man selbst nicht mehr weiß, wer hier eigentlich wen frisst.

Beispiele für Broker (ohne Gewähr)

Quelle: extraetf.com

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