Hier beginnt eine Reise durch die Börsenwelt. Als ich noch für eine Vermögensverwaltung gearbeitet habe, wurde ich oft – wie oben beschrieben – von meiner Frau begrüßt. Das bedeutet, sie hatte mir vorher gesagt, wohin der Aktienmarkt laufen würde, und ich war anderer Meinung. Ratet mal, wer dann Recht hatte, wenn mir dieser Satz entgegenschlug?
Es hat lange gedauert, aber heute ist es soweit – mein erster Blogbeitrag unter der Überschrift „Hast g’sehn, wo da DAX steht“ ist fertig. Ich habe schon vor mehr als 10 Jahren darüber gesprochen, dass ich das eines Tages machen werde. Da war ich noch bei einem Vermögensverwalter angestellt und hatte keine Ahnung, wie ich das eines Tages umsetzen werde. Also, an dieser Stelle geht mein Dank an die „beste Ehefrau von allen“, wie schon vor langem der 2005 verstorbene israelische Satiriker Ephraim Kishon die seine nannte, für ihre Inspiration.
Rückblick:
Das Jahresende naht und da bietet es sich natürlich an, das alte kurz Review passieren zu lassen und sich Gedanken über das nächste zu machen. Zum Jahreswechsel 2021/2022 wurden in etlichen Aktienmärkten (Dow Jones, S&P 500, DAX, EuroSTOXX50 etc.) neue Höchststände erreicht oder wieder angelaufen. D. h. noch in den ersten Tagen diesen Jahres sah es richtig gut aus in den Portfolien der Anleger. Zeitgleich musste man in Deutschland mit einer Minusverzinsung für 10-jährige Bundesanleihen von ca. 0,5 Prozent und in USA mit einer Rendite für 30-jährige Staatsanleihen von unter 2 Prozent leben. Die Notenbanken hatten die Zinsen um die Nulllinie gehalten (USA Fed 0,25 Prozent, EZB -0,5 Prozent), da die Inflation bis dato angeblich keine ernst zu nehmende Gefahr darstellte. Allerdings hatte sich diese in den USA schon in 2021 auf über 4 Prozent erhöht und in Europa über 2 Prozent etabliert.
Spätestens mit dem Einmarsch Russlands am 24.02. entwickelte sich eine Wende an den Kapitalmärkten, die bis heute anhält. Innerhalb kürzester Zeit fiel der DAX auf ca. 12.400 Punkte, was einem Minus von fast 25 Prozent zu den Höchstkursen von 16.200 Punkten bedeute. Ähnlich sah es bei der Technologiebörse Nasdaq aus, während der S&P 500 lediglich knapp 15 Prozent einbüßte. Die Energie-versorgung vieler Länder geriet in Gefahr, zudem bestanden weiterhin Liefer-kettenprobleme durch die Auswirkungen von Corona. Die Inflation beschleunigte sich atemberaubend und die amerikanische Notenbank Fed begann bereits im März mit einer ersten Zinserhöhung. Sie hat den Leitzins durch die letzte Maßnahme am 14.12. auf mittlerweile 4,5 Prozent angehoben. Die EZB blieb zunächst in Schockstarre und wollte ihr Mantra, es gäbe kein Inflationsproblem, nicht aufgeben.

Am 21. Juli sah sie sich allerdings gezwungen, erstmals zu handeln und nach dem vierten Zinsschritt am 15.12. liegt der Referenzzins mittlerweile bei 2,5 Prozent.
Die Zinsen bei 10-jährigen Bundesanleihen stiegen auf über 2 Prozent, die der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf über 4 Prozent. Die Aktienmärkte erreichten nach einem volatilen Seitwärtstrend Mitte Oktober ihre Tiefststände (DAX 11.800 Punkte) und konnten sich seither wieder deutlich erholen. So gewann der DAX fast 3.000 Punkte (ca. 25 Prozent) bis Mitte Dezember innerhalb von 2 Monaten, weil viele Anleger davon ausgingen, dass die Notenbanken – aufgrund der sich wieder zurückbildenden Inflationsraten – bald wieder mit Zinssenkungen beginnen werden.


Ausblick:
Durch die jüngsten Statements der Notenbanken bekam der Optimismus der Anleger bereits einen empfindlichen Dämpfer. Zwar werden die Zinsschritte der Fed wieder kleiner (0,5 Prozent statt 0,75 Prozent) und enden möglicherweise im Bereich von ca. 5 Prozent. Aber die Mitglieder der Notenbank erwarten, wie man den Sitzungsprotokollen entnehmen kann, für Ende 2023 immer noch ein ähnlich hohes Zinsniveau in der amerikanischen Geldpolitik und damit keine Senkungen. Die Vorsitzende der EZB, Christine Lagarde, hat sich nun endgültig die Inflations-bekämpfung auf die Fahnen geschrieben und ihre Entschlossenheit für weitere Maßnahmen bekräftigt. Zudem wurde bekanntgegeben, dass man ab März 2023 monatlich 15 Mrd. Euro an Anleihen verkaufen möchte, was den Märkten Liquidität entzieht. Die Fed vollzieht dieses Prozedere bereits schon etwas länger mit einem monatlichen Anleihen-Verkauf von 90 Mrd. US-Dollar. D. h, auch wenn sich die Inflationsraten in USA von über 8 Prozent und in Europa von über 10 Prozent sich in den letzten Monaten wieder auf dem Rückzug befinden, wird die Bekämpfung der Teuerung noch etwas länger dauern wie erwartet.


Ausblick:
Die Frage, die damit verbunden ist, lautet: Was bedeutet das für das Wirtschafts-wachstum und die Unternehmensgewinne?
Bis jetzt geht viele Volkswirte (auch die Notenbanken) noch von einem leichten Wachstum in USA und Europa aus.

Wenn das stimmen sollte, wäre die Gefahr für die Aktienmärkte eher gering und man könnte zunächst mit einem Seitwärtstrend rechnen. Für einen Ausbruch nach oben bräuchte es aber die Stimulanz durch Zinssenkungen, die derzeit – wie beschrieben – aber nicht sehr wahrscheinlich sind. In den letzten 50 Jahren gab es übrigens frühestens 5 Monate nach der letzten Zinserhöhung die erste Zinssen-kung und im Durchschnitt dauerte es 11 Monate bis dahin. Zudem fielen die Aktien-märkte nach dieser ersten Maßnahme zunächst und erreichten erst 6 Monate später ihren Tiefststand. Wie denken die großen Brokerhäuser dieser Welt über den weiteren Verlauf im nächsten Jahr? Für 2023 gibt es einen bunten Strauß an Meinungen seitens der Experten. Sanfte Landung bis globale Rezession. Die Bank of America hat eine Spanne von 50 Prozent zwischen ihrem optimistischsten und pessimistischsten Szenario. Lt. Morgan Stanley (lagen dieses Jahr mit ihren Prognosen sehr gut) könnten die Gewinne 2023 für die 500 Unternehmen des S&P500 um 15-20 Prozent zurückgehen. Da der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 20 historisch relativ teuer ist, würde bei einem Eintreten dieses Szenarios stärkere Kursverluste die Folge sein. Der DAX ist mit einem KGV von 12 vergleichsweise günstig, aber in der Regel überproportional anfällig für Kurs-verluste aus New York. Zudem stehen die Fragen im Raum, wie lange der russische Angriffskrieg dauern wird und ob sich die Beziehung von China und USA weiter verschlechtern wird oder China sogar Taiwan angreifen wird?


Umsetzung:
Also, bevor nun die erste allgemeine Verunsicherung eintritt, lasst uns zu einer eigenen Einschätzung kommen. Ich bin ja ein Anhänger von Charts und versuche dadurch ein Drehbuch zu entwickeln, wie es weitergehen könnte. Schaut man sich den DAX auf Basis eines Wochencharts an (eine Kerze – eine Woche), dann könnte sich ein Seitwärtstrend anbahnen, der aber durchaus sehr intensiv ausfallen könnte. Viele erwarten für das erste Quartal die Tiefststände in 2023. Ich bin da etwas skeptischer.
Die Fondsmanager haben derzeit mit ca. 5 Prozent relativ viel Liquidität in ihren Portfolios und könnten damit den Markt in den nächsten Monaten durch Käufe stützen. Zudem wird wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt klar, ob die Notenbanken wirklich eine Rezession verhindern können oder doch ein Konjunktureinbruch Realität wird. Somit erwarte ich eher im 2. Quartal mögliche Tiefststände.

Aber, wie es sich für einen guten Ehemann geziemt, gehört das letzte Wort meiner Frau. Sie meint, nach meinem vielen Blablabla könnte doch eine sinnvolle Strategie für das nächste halbe Jahr sein, jeden Monat zu einem bestimmten Zeitpunkt (Mitte des Monats?) ca. 10 Prozent des geplanten Kapitals einzusetzen. Nach einem halben Jahr habe ich somit ca. 60 Prozent investiert. 40 Prozent hebe ich mir auf, falls es doch noch schlimmer kommt oder aber der DAX seine derzeit wichtige Hürde von 14.800 überwindet. Dann wäre der Weg nach oben zu neuen Höchstständen frei.
Dem ist nichts hinzuzufügen!
Wer sich für das Traden interessiert
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