Die meisten Anleger stellen sich irgendwann dieselbe Frage: Welche Aktie wird der nächste große Gewinner wie eine Apple, Nvidia oder Tesla?
Die spannendere Frage lautet jedoch: Wie viele Aktien braucht man eigentlich, damit ein Depot wirklich gut diversifiziert ist?
Genau dieser Frage ist ein Multi-Family-Office in einer umfangreichen Analyse nachgegangen. Das Ergebnis überrascht viele Privatanleger.
Die große Illusion vieler Anleger
Viele Investoren glauben, mit zehn oder zwanzig Aktien bereits ausreichend breit aufgestellt zu sein. Schließlich stammen die Unternehmen oft aus verschiedenen Branchen:
– ein Technologiewert
– eine Bank
– ein Gesundheitskonzern
– ein Industriewert
– vielleicht noch ein Energiekonzern
Klingt vernünftig. Das Problem: Diversifikation fühlt sich oft viel größer an, als sie tatsächlich ist. Denn sobald einzelne Unternehmen einen großen Anteil am Depot besitzen, hängt der Anlageerfolg plötzlich stark von Faktoren ab, die mit dem Gesamtmarkt wenig zu tun haben.
– Ein enttäuschender Quartalsbericht
– Ein Managementfehler
– Ein politischer Eingriff
– Eine neue Technologie
Und schon bewegt sich das gesamte Depot deutlich stärker als geplant.
Was Experten unter echter Diversifikation verstehen
Die Studie untersucht das sogenannte unsystematische Risiko. Das klingt kompliziert, bedeutet aber etwas sehr Einfaches:
Es sind Risiken, die nur einzelne Unternehmen betreffen.
Beispiele:
Gewinnwarnungen
Managementwechsel
Produktskandale
Wettbewerbsprobleme
politische Eingriffe
Diese Risiken werden an der Börse langfristig nicht bezahlt. Oder anders gesagt: Für dieses zusätzliche Risiko bekommt der Anleger keine garantierte Zusatzrendite. Deshalb versuchen professionelle Vermögensverwalter, dieses Risiko möglichst stark zu reduzieren.
Die überraschende Zahl
Hier kommt die eigentliche Erkenntnis der Untersuchung:
Um das unternehmensspezifische Risiko nahezu vollständig auszuschalten, wären laut Analyse nahezu 200 Einzelaktien erforderlich.
Viele Anleger erwarten vielleicht:
15 Aktien
20 Aktien
vielleicht 30 Aktien
Doch die Realität liegt deutlich höher. Selbst bei 90 großen Aktien verbleibt laut Studie noch ein relevanter Teil des unsystematischen Risikos. Erst dann wird überhaupt die Marke erreicht, die viele Wissenschaftler als ausreichend diversifiziert betrachten.
Das Nvidia-Problem
Ein gutes Beispiel ist Nvidia.
Aktuell gehört Nvidia zu den größten Unternehmen der Welt. Wer heute ausschließlich Nvidia hält, besitzt faktisch eine Wette auf:
– KI-Nachfrage
– Chipproduktion
– geopolitische Entwicklungen
– Exportbeschränkungen
– Investitionsbereitschaft großer Technologiekonzerne
Das kann hervorragend funktionieren. Es kann aber auch schmerzhaft werden.
Denn die Schwankungen eines einzelnen Unternehmens sind deutlich höher als die eines breit gestreuten Weltportfolios.
Auch zehn Top-Aktien reichen nicht
Selbst die zehn größten Unternehmen des MSCI ACWI lösen das Problem nicht.
Dazu gehören unter anderem: Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon, Alphabet, Broadcom, Meta, Tesla, TSMC
Trotz dieser Schwergewichte bleibt das Portfolio stark von den USA und dem Technologiesektor abhängig. Gesundheits-, Energie- oder Finanzwerte spielen nur eine Nebenrolle.
Warum ETFs so erfolgreich sind
Hier liegt der eigentliche Grund für den Erfolg globaler ETFs.
Ein MSCI-ACWI-ETF investiert in weit über tausend Unternehmen weltweit. Der Anleger erhält dadurch:
– automatische Diversifikation
– geringeres Einzelwertrisiko
– globale Streuung
– geringen Verwaltungsaufwand
Man muss keine 200 Geschäftsberichte lesen. Keine Quartalszahlen verfolgen. Keine Managemententscheidungen analysieren. Man kauft schlicht den gesamten Markt.
Der Nasdaq ist konzentrierter als viele denken
Viele Anleger betrachten den Nasdaq 100 als breit gestreuten Technologieindex.
Tatsächlich entfallen jedoch rund 65 Prozent des Indexgewichts auf die zehn größten Unternehmen.
Wer einen Nasdaq-ETF kauft, investiert daher nicht in hundert gleichgewichtete Wachstumsunternehmen.
Er setzt vor allem auf die größten Gewinner der vergangenen Jahre. Das kann weiterhin gut funktionieren. Es ist aber deutlich konzentrierter, als viele Anleger vermuten.
Was bedeutet das für Privatanleger?
Die wichtigste Erkenntnis lautet: Einzelaktien sind nicht falsch.
Aber man sollte ehrlich sein, was man damit tut. Wer 10 oder 20 Aktien hält, investiert nicht wie ein Weltindex.
Er trifft aktive Entscheidungen. Er wettet auf bestimmte Unternehmen, Branchen und Trends.
Das kann zu einer höheren Rendite führen. Es kann aber ebenso zu größeren Enttäuschungen führen.
Fazit!
Die Studie liefert eine erstaunlich einfache Botschaft: Diversifikation beginnt nicht bei zehn Aktien.
Wer wirklich nahe an die Chance-Risiko-Struktur eines Weltindex herankommen möchte, benötigt laut Analyse fast 200 Einzelwerte.
Für die meisten Anleger bleibt deshalb ein globaler ETF die einfachste und effizienteste Lösung.
Oder etwas bildlicher formuliert:
Mit zehn Aktien baut man ein Fußballteam. Mit zweihundert Aktien besitzt man die ganze Liga. ⚽📈
Und an der Börse gewinnt langfristig oft nicht die spektakulärste Mannschaft – sondern diejenige, die auf möglichst vielen Positionen gut besetzt ist.
Wer sich für das Traden interessiert
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