„Und?“, fragte sie.
Ich: „Die Deutschen machen beim Investieren erstaunlich viel richtig.“
Sie: „Das glaub ich erst, wenn ich’s sehe.“
Ich: „Steht hier schwarz auf weiß: Die meisten verkaufen fast nie.“
Sie nickte. „Also wie du im Keller mit dem Heimtrainer.“
Manchmal trifft Wahrheit unerwartet hart.
Denn tatsächlich zeigt eine große Auswertung von rund 167.000 Depots: Der Median der Verkaufsorders pro Quartal liegt bei null. Null! Gar nichts! Nada!
Während draußen Börsen beben, Krisen durch die Nachrichten galoppieren und irgendein Experte im Fernsehen „jetzt wird alles anders“ ruft, sitzen viele Anleger daheim, trinken Kaffee und tun… nichts.
Die Kunst des gepflegten Nichtstuns
An der Börse gibt es zwei Typen Menschen:
Typ 1: Der Ruhige
Er hat einen ETF-Sparplan, schaut zweimal im Jahr ins Depot und fragt sich sonst eher, ob noch Milch im Kühlschrank ist.
Typ 2: Der Aktivist
Er besitzt fünf Apps, zwölf Watchlists und sagt Sätze wie: „Ich bin heute taktisch aus Nasdaq raus, kurz in Verteidigung rein, dann antizyklisch in Lithium.“
Übersetzt heißt das meistens: Er hat Gebühren bezahlt.
Denn jede hektische Aktion kostet. Kaufkosten, Verkaufskosten, Steuern, Nerven, Ehefrieden. Und oft verkauft man genau dann, wenn Kurse unten sind – also emotional auf dem Tiefpunkt.
Das ist wie im Schlussverkauf alles zurückzugeben, weil es reduziert wurde.
Der deutsche Anleger - besser als sein Ruf
Jahrelang hieß es: Der Deutsche liebt Sparbuch, Bausparvertrag und Angst. Jetzt zeigt sich: Viele setzen längst auf ETFs, breit gestreut, kostengünstig und erstaunlich vernünftig. Rund 80 Prozent der untersuchten Portfolios enthalten mindestens einen ETF.
Meine Frau sagte dazu nur: „Also doch. Die Leute lernen.“
Ich nickte stolz, als hätte ich ganz Deutschland persönlich aus dem Sparbuch gezogen.
Aber Vorsicht: Faulheit braucht Struktur
Stillhalten ist nicht automatisch klug. Wer 95 Prozent Aktien im Depot hat und bei minus 20 Prozent nachts beginnt, YouTube-Videos über Goldbarren zu schauen, hat vielleicht die falsche Mischung gewählt.
Denn Ruhe entsteht nicht durch Mut, sondern durch passende Planung.
Oder wie meine Frau es formuliert: „Wenn du bei jeder kleinen Schwankung Schnappatmung kriegst, ist nicht die Börse das Problem.“
Wieder so ein Satz, den man erst hasst und später aufschreibt.
Der wahre Reichtum
Viele glauben, Vermögen entsteht durch den perfekten Tipp. Durch die eine Raketenaktie. Den Geheimfonds. Den Cousin eines Nachbarn, der „bei Nvidia ganz früh drin war“.
In Wahrheit entsteht Vermögen oft viel langweiliger:
regelmäßig investieren
breit streuen
Kosten niedrig halten
nicht dauernd nervös werden
Jahrzehnte durchhalten
Also exakt die Dinge, über die niemand auf Partys reden will.
Mein Fazit!
Vielleicht ist das größte Geheimnis der Börse nicht Intelligenz, sondern Geduld.
Oder anders gesagt: Wer ständig am Depot herumfummelt, behandelt Geld wie einen Toaster. Wer es wachsen lässt, behandelt es wie einen Obstbaum.
Meine Frau stand auf, räumte den Tisch ab und sagte: „Wenn du schon nichts tust, dann mach’s wenigstens langfristig.“
Ich glaube, das war gleichzeitig Eheberatung und Vermögensstrategie.
Wer sich für das Traden interessiert
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