Seit über 60 Jahren ermuntert der Staat Unternehmen, ihren Beschäftigten beim Sparen unter die Arme zu greifen. Trotzdem lassen viele Arbeitnehmer dieses Extra links liegen. Dabei ist die Förderung erstaunlich unkompliziert – und die Auswahl an Anlageformen größer als die Marmeladenabteilung im Supermarkt. In einem Artikel der Zeitung „WELT“, dessen Inhalt wir hier sinngemäß wiedergeben, wurde dies näher beleuchtet.
Was ist das Merkwürdige an den "Vermögenswirksamen Leistungen"?
Man sagt ja gerne, das Geld liege auf der Straße. Dort mag es nicht gerade herumkullern, aber beim Arbeitgeber liegt es oft tatsächlich bereit – ruhig, geduldig und völlig unbeachtet. Millionen Deutsche haben Anspruch auf Vermögenswirksame Leistungen, kurz VL. Und Millionen nutzen sie nicht. Finanzexperten schlagen seit Jahren die Hände über dem Kopf zusammen – vor allem bei Beschäftigten mit mittlerem Einkommen.
Der sperrige Name „Vermögenswirksame Leistungen“ stammt aus einer Zeit, in der Schlaghosen modern waren und das Wirtschaftswunder noch frisch duftete. Die Idee dahinter: Der Arbeitgeber zweigt einen kleinen Teil des Gehalts ab, legt noch etwas drauf – und schon wird aus Alltagseinkommen langfristiger Vermögensaufbau. Ganz ohne Yoga-Kurs oder Mindset-Seminar.
Es bleibt viel Geld liegen...
„VL sind ein klassisches Kind der Wirtschaftswunder-Ära“, sagt Finanzexperte Daniel Franke von Brokervergleich.de. Ziel sei gewesen, Arbeitnehmer mithilfe der Arbeitnehmersparzulage systematisch beim Sparen zu unterstützen. Auch Elmar Gaugenrieder von der DekaBank betont, dass weit mehr Menschen Anspruch auf staatliche Förderung haben, als sie denken. Ursprünglich konnten so 312 D-Mark pro Jahr gefördert werden – heute klingt das nostalgisch, war aber damals echtes Geld.
Franke schätzt die Zahl geförderter VL-Sparpläne auf gut eine Million jährlich. Dem stehen über 22 Millionen Tarifbeschäftigte gegenüber. Anders gesagt: Jede Menge Geld wartet – und niemand holt es ab.
Was bietet das Vermögensbildungsgesetz?
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Vermögensbildungsgesetz mehrfach modernisiert. Heute übernehmen viele Arbeitgeber bis zu 40 Euro monatlich – teilweise oder ganz. Der Staat legt je nach Einkommen und Sparform noch etwas obendrauf. Geschenktes Geld? Ja. Aber anscheinend eines mit Imageproblem. Grundsätzlich stehen zwei Sparformen zur Wahl: Bausparen oder Fondsanlage.
Wer zum Bausparvertrag greift, bekommt bei Einzahlungen bis 470 Euro jährlich neun Prozent staatliche Förderung – also maximal 43 Euro. Voraussetzung: Das zu versteuernde Einkommen liegt unter 40.000 Euro. Verheiratete dürfen doppelt so viel verdienen und bekommen entsprechend doppelte Förderung. Die gleichen Regeln gelten für die Tilgung eines selbst genutzten Baukredits. Allerdings haben sich die Zeiten geändert: Was früher beliebt war, wirkt heute bei niedrigen Zinsen eher wie ein nostalgisches Möbelstück.
Interessanter ist das Wertpapiersparen...
Deutlich moderner – und vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern beliebt – ist das Wertpapiersparen. Hier greift der Staat noch tiefer in die Tasche: Auf bis zu 400 Euro im Jahr gibt es 20 Prozent Zuschuss, also bis zu 80 Euro. Auch hier gilt wieder die Einkommensgrenze von 40.000 Euro – beziehungsweise 80.000 Euro für Ehepaare.
Aber selbst wer darüber liegt, muss nicht traurig sein: Fonds- und ETF-Sparpläne ermöglichen breiten Bevölkerungsschichten den Einstieg ins Produktivkapital – risiko-gestreut und langfristig. Laut einer Erhebung der WELT AM SONNTAG sind internationale Aktienfonds besonders beliebt. Klassiker wie der DWS Vermögensbildungsfonds, der DekaFonds CF oder der UniGlobal bringen zwar Verwaltungsgebühren von bis zu 1,5 Prozent mit sich, lieferten in den vergangenen Jahren aber beachtliche Renditen.
Wie kann man Kosten sparen?
Wem laufende Kosten ein Dorn im Auge sind, greift zu ETFs. Produkte wie der iShares Core MSCI World oder der Vanguard FTSE All-World kommen mit Gesamtkosten von rund 0,2 Prozent aus – ganz ohne Ausgabeaufschläge. Kein Fondsmanager, dafür mehr Geld, das tatsächlich arbeitet. Was das konkret bringt, zeigt eine Beispielrechnung: Wer seit November 2009 monatlich 40 Euro in den iShares Core MSCI World investiert hat, legte insgesamt 7760 Euro ein – und machte daraus rund 22.600 Euro. Ohne Zauberei, nur mit Zeit, Disziplin und Marktentwicklung. Staatliche Förderung kam je nach Einkommen noch obendrauf.
Über ein ganzes Berufsleben hinweg können VL – bei günstiger Börsenlage – ein Depot im mittleren fünfstelligen Bereich aufbauen. Angeboten werden entsprechende Sparpläne sowohl von klassischen Banken als auch von Onlineanbietern, Roboadvisors inklusive. Ein Blick auf die Kosten lohnt sich dabei immer – denn auch kleine Prozente bauen auf Dauer große Unterschiede.
Wie sieht es rechtlich aus und wie ist die steuerliche Behandlung?
Rechtlich sind VL flexibel: Das angesparte Vermögen gehört dem Arbeitnehmer. Es kann verkauft, vererbt oder verschenkt werden – ganz ohne komplizierte Verrenkungen. Steuerlich sieht es weniger rosig aus: VL werden aus versteuertem Einkommen gezahlt, und bei der späteren Auszahlung fallen erneut Abgaben an. Doppelbesteuerung lässt grüßen. Der Sparerpauschbetrag von 1000 Euro (2000 Euro für Ehepaare) mildert das etwas – euphorisch wird davon aber niemand.
Trotzdem gilt: Gerade Fonds- und ETF-Sparpläne profitieren enorm vom Zinseszinseffekt. Regelmäßiges Sparen senkt Einstiegshürden und eröffnet auch Börsen-Neulingen langfristige Chancen. Manche Arbeitgeber verschweigen VL übrigens gern. „Dabei hat grundsätzlich jeder Arbeitnehmer das Recht, einen VL-Vertrag zu besparen“, sagt Franke. Auf Wunsch muss der Arbeitgeber den Betrag weiterleiten – zahlen muss er allerdings nicht zwingend.
Besser haben es Tarifbeschäftigte. Viele Tarif- oder Arbeitsverträge sehen Zuschüsse vor, manche Unternehmen integrieren VL sogar in die betriebliche Altersvorsorge. Das kann sich später auszahlen – ganz ohne, dass man heute viel davon merkt. Außer vielleicht beim Blick aufs Depot.
Fazit!
Kurz gesagt: VL sind kein Vermögenswunder. Aber wer sie ignoriert, lässt Geld liegen. Und zwar nicht auf der Straße – sondern direkt beim Arbeitgeber.
Wer sich für das Traden interessiert
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