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Hast g’sehn, wo da Selbstzweifel steht?

Sonntagmorgen.

Ich sitze am Küchentisch, starre in meinen Kaffee und versuche gerade herauszufinden, warum der DAX steigt, obwohl gefühlt halb Europa gleichzeitig über Inflation, Krieg, Strompreise und die nächste Krise diskutiert.

Meine Frau schaut von ihrem Handy hoch und sagt: „Du, ich hab grad einen Artikel gelesen. Frauen fühlen sich bei Geldfragen oft unsicher.“

Ich nicke vorsichtig. Das klingt nach einer dieser Situationen, bei denen man als Ehemann in ein rhetorisches Minenfeld läuft.

„Aha“, sage ich diplomatisch. „Und?“

„Da stand“, sagt sie, „dass Männer sich bei Finanzfragen oft viel kompetenter fühlen.“

Ich lehne mich zurück. „Natürlich. Wir Männer haben schließlich jahrhundertelange Erfahrung darin, selbstbewusst Dinge zu erklären, die wir nur halb verstanden haben.“

Sie schaut mich an. „Also quasi Börsenfernsehen.“

Ein unfairer Punkt.
Der Artikel beschreibt tatsächlich etwas Faszinierendes: Frauen halten sich oft für schlechter informiert, obwohl sie in vielen Tests ähnlich gut oder teilweise sogar besser abschneiden.

Mit anderen Worten: Frauen sagen häufiger: „Ich bin mir nicht sicher.“ Männer sagen häufiger: „Ganz klar. Absolut eindeutig.“ … und googeln danach heimlich unter dem Tisch!

Meine Frau nimmt einen Schluck Kaffee. „Vielleicht liegt das Problem gar nicht beim Wissen.“

Ich: „Sondern?“

Sie: „Beim Auftreten.“

Und da musste ich kurz schlucken.

Denn tatsächlich ist die Finanzwelt oft wie ein großes Pokerturnier: Der gewinnt nicht immer, wer am meisten weiß – sondern oft der, der am überzeugtsten schaut.

Im Artikel steht, dass nur 21 Prozent der Frauen sagen, sie würden sich gut mit Finanzthemen auskennen. Bei Männern sind es 44 Prozent.

Oder anders formuliert: Wenn ein Mann einmal einen ETF-Sparplan eingerichtet hat, hält er sich drei Tage später bereits für den Warren Buffett von Wanne-Eickel.

Frauen dagegen lesen erst einmal fünf Bücher, vergleichen Gebühren, analysieren Risiken, schauen Videos, fragen Freundinnen, prüfen Nachhaltigkeitskriterien – und sagen dann: „Ich kenn mich da leider nicht so gut aus.“

Quelle: Welt
Quelle: Welt

Meine Frau grinst. „Männer kaufen manchmal Aktien wie andere Leute einen Döner.“

Ich: „Wie meinst du das?“

Sie: „Schnelle Entscheidung. Große Hoffnung. Und hinterher weiß keiner genau, was eigentlich drin war.“

Meine Frau lehnt sich zurück. „Vielleicht sollten Frauen einfach öfter akzeptieren, dass man nicht alles hundertprozentig wissen muss.“

„Das gilt übrigens auch für Männer“, sage ich.

„Ja“, sagt sie trocken. „Aber die müssten dafür erst einmal merken, dass sie nicht alles wissen.“

Und da war sie wieder. Diese brutale Effizienz ehelicher Kommunikation.

Am Ende bleibt eigentlich nur eine wichtige Erkenntnis: Geldanlage hat weniger mit Genen zu tun als mit Mut, Erfahrung und dem Umgang mit Unsicherheit.

Und vielleicht wäre die Finanzwelt manchmal sogar gesünder, wenn etwas mehr Menschen sagen würden: „Ich bin mir nicht ganz sicher.“

Denn meistens beginnen die größten Börsenblasen genau in dem Moment, in dem plötzlich alle glauben, sie seien Genies.

Wer sich für das Traden interessiert

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