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Hast g’sehn, wo da DAX steht? (20)

Ein Karfreitags-Küchentisch-Gespräch über die aktuelle Situation im Iran und an der Börse!

Meine Frau: „Du, sag mal… hast g’sehn, wo da DAX steht?“

Ich schau vom Frühstückstisch auf, noch halb im Kaffee versunken. „Warum? Is er wieder gestiegen, obwohl die Welt brennt?“

„Ja genau!“, sagt meine Frau. „Krieg, Ölpreis rauf, alles unsicher – und die Börse denkt sich: passt scho.“

Ich nicke langsam: „Das is die neue Anlagephilosophie: Augen zu und rein ins Risiko.“

Denn wenn man sich anschaut, was da gerade passiert, dann muss man sich schon wundern. Da hält Donald Trump eine Rede, bei der selbst hartgesottene Börsianer kurz mal schlucken müssten – Stichwort Eskalation, Stichwort längerer Krieg, Stichwort null Plan für die Straße von Hormus – und was machen die Märkte?

Sie zucken kurz… und dann geht’s weiter wie vorher.

Fast schon bewundernswert. Oder sagen wir: bemerkenswert realitätsflexibel.

„Vielleicht wissen die Märkte ja mehr als wir?“, wirft meine Frau ein.

„Ja“, sag ich, „die wissen vor allem eins: Dip kaufen.“

Das hat ja die letzten Jahre auch wunderbar funktioniert. Egal ob Pandemie, Inflation oder Zins-Schock – am Ende ging’s immer wieder rauf. Also macht man einfach weiter. Konditionierung nennt man das. Oder im Börsendeutsch: Erfahrung.

Nur leider ist Erfahrung an der Börse oft das, was dich beim nächsten Mal ins offene Messer laufen lässt.

Denn während Aktien noch so tun, als wäre alles halb so wild, gibt’s einen Markt, der die Sache deutlich ernster nimmt: Öl. Und Öl lügt selten.

Der Preis bleibt hoch. Hartnäckig hoch. Und das ist kein gutes Zeichen. Denn wenn wirklich alle überzeugt wären, dass sich der Konflikt schnell beruhigt, müsste Öl längst wieder runterkommen. Tut es aber nicht.

„Und was heißt das jetzt für uns?“, fragt meine Frau.

„Ganz einfach“, sag ich, „wenn Energie teuer bleibt, wird alles teuer.“

Transport, Produktion, Lebensmittel – das zieht sich durch wie ein roter Faden. Und plötzlich steht sie wieder im Raum, die Inflation, die doch angeblich schon auf dem Rückzug war.

Und genau da wird’s für die Börse spannend.

Denn die ganze schöne Hoffnung auf Zinssenkungen basiert ja darauf, dass die Inflation brav nach unten kommt. Wenn jetzt aber Öl wieder Druck macht, dann könnten sich die Notenbanken denken: „Moment mal… vielleicht warten wir doch noch ein bisserl.“ Und das mögen die Märkte gar nicht.

„Aber der DAX steht trotzdem relativ weit oben“, sagt meine Frau und schaut mich an, als hätte sie den ultimativen Gegenbeweis.

Ich grinse:Ja, der DAX steht oft oben, kurz bevor’s spannend wird.“

Was man nämlich auch sieht: Die Rally ist nicht wirklich breit. Energie läuft – logisch. Aber viele andere Sektoren kämpfen eher mit sich selbst. Das wirkt weniger wie ein gesunder Aufwärtstrend und mehr wie ein: „Hoffentlich geht’s gut.“

Und Hoffnung ist an der Börse bekanntlich keine Strategie. Eher so eine Art Placebo.

„Also was machen wir jetzt? Alles verkaufen?“, fragt sie.

„Nein“, sag ich, „aber vielleicht in der aktuellen Erholungsphase trotzdem genügend Cash aufbauen.“

Denn dieses ewige „Buy the Dip“ funktioniert halt nur so lange, bis es nicht mehr funktioniert.

Und der Moment, in dem es kippt, kommt meistens genau dann, wenn alle überzeugt sind, dass es immer weiter so geht.

Ich steh auf, hol mir noch einen Kaffee und sag: „Weißt, der Markt is grad wie einer beim Zahnarzt – Augen zu, Ohren zu und hoffen, dass’s schnell vorbei ist.“

„Und?“, fragt sie.

„Naja“, sag ich, „der Bohrer läuft trotzdem.“

Sie lacht: „Na super. Und du wunderst dich, warum ich lieber Gold kauf.“

Ich zuck mit den Schultern. „Auch keine schlechte Idee. Hauptsache, man glaubt nicht alles, was der DAX einem gerade erzählen will.“

Und während wir so dasitzen, schaut sie nochmal aufs Handy.

Sie: „Du… jetzt is er nochmal gestiegen.“

Ich nicke: „Klar. Realität hat ja heute Ruhetag.“ 😄

So schaut's aus...

Der Stimmungsindikator von CNN zeigt extrem Pessimismus, was in nächster Zeit eher für weitere Kursanstiege spricht.

Quelle: CNN

Das ungefähre Potential zeigen die sogenannten Elliott-Wave-Charts des Analysehauses HKCM, das immer wieder mit guten Prognosen auffällt. Der DAX z.B. könnte sich bis in den Bereich von über 24.000 Punkten erholen. Allerdings erwarten die Experten danach einen starken Kursrückgang bis in den Bereich von 15.000 P.

Quelle: HKCM
Quelle: HKCM

An der Technologiebörse Nasdaq, an der die bekannten Titel wie Nvidia oder Apple gehandelt werden, sieht man sogar nocheinmal die Chance auf neue Höchststände, allerdings danach einen dramatische Einbruch.

Quelle: HKCM
Quelle: HKCM

Auch am weltgrößten Aktienindex S&P500, der ähnlich verläuft wie der Weltindex MSCI World, kann nach einer Erholung ein stärker Einbruch drohen. Als Grund sieht das Analysehaus die große Gefahr einer Rezession (Wirtschaftsabschwung) durch die Ereignisse an der Straße von Hormus.

Quelle: HKCM

Fazit: Niemand kann seriös voraussagen, was in den nächsten Monaten genau passiert. Aber die Ereignisse im Iran haben eine enorme Auswirkung auf den Welthandel und könnten unangenehme Folgen haben. Deshalb sollte man über die Schaffung von Liquidität in den Erholungsphasen nachdenken.

Wer sich für das Traden interessiert

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