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Hast g’sehn, wo da DAX steht? (18)

Oder: Warum Trump, die FED und der Iran gerade gemeinsam an deinem Depot arbeiten

Freitag Abend am Küchentisch

„Hast g’sehn, wo da DAX steht?“
Meine Frau stellt diese Frage inzwischen immer mit exakt derselben Stimmlage wie früher:„Hast du den Müll runtergebracht?“

Beides hat denselben Subtext: Irgendwas stimmt nicht — und du bist wahrscheinlich schuld.

Ich schaue aufs Handy. Nachrichtenlage wie ein Drehbuch von Netflix, Staffel 9, Folge „Jetzt wird’s absurd“.

Trump verliert vor Gericht – und die Börse gewinnt erstmal

16 Uhr. Eilmeldung aus den USA: Der Supreme Court erklärt Trumps „reziproke Zölle“ für unrechtmäßig. Befugnisse überschritten. Kurz gesagt: Der Mann wollte wirtschaftspolitisch mit der Brechstange arbeiten — und das Gericht sagt: Brechstange zurück ins Werkzeugregal.

Die Märkte reagieren sofort logisch:
• Schwellenländer-Währungen steigen
• US-Einzelhandelsaktien springen an
• Anleger denken: „Vielleicht wird Handel wieder normal.“

Meine Frau: „Also wird jetzt alles besser?“

Ich: „Nein. Jetzt wird’s komplizierter.“

Denn das Weiße Haus kündigt sofort Ersatzzölle an. An der Zollfront also ungefähr so viel Entspannung wie beim Familienurlaub, wenn der Navi-Akku leer ist.

Die US-Wirtschaft schwächelt – Inflation aber nicht

Quelle: Finanzwoche

Nur zwei Stunden vorher kamen bereits die echten Problemzahlen:
• US-BIP wächst nur 1,4 % (erwartet: 3,5 %)
• Inflation höher als prognostiziert
Das ist wirtschaftlich die Kategorie:
👉 „Motor stottert, Tank wird trotzdem teurer.“

Für die Notenbank bedeutet das: weniger Spielraum. Der designierte Notenbankchef Kevin Warsh steht für eine straffere Geldpolitik und Bilanzverkürzung — also weniger Liquidität im System.

Oder einfacher gesagt: Die Party läuft weiter — aber jemand sucht schon den Lichtschalter.
Übersetzt in Anlegerdeutsch: Weniger Geld = weniger Rückenwind für Aktien.

Warum US-Aktien plötzlich nicht mehr Mittelpunkt der Welt sind

Jahrelang war Börse einfach: Kauf Amerika. Schlaf gut.
Jetzt drehen internationale Anleger langsam ab. 2026 fließt deutlich mehr Geld nach:
• Europa
• Japan
• Schwellenländer

Während die USA nur noch einen Bruchteil der globalen Zuflüsse anziehen. Die Börse beginnt also leise umzubauen — ohne dass es viele merken. Und damit ergibt sich erstmal folgende Analyse:
• US-Aktien hoch bewertet
• Privatanleger extrem investiert
• ETF-Zuflüsse auf Rekordniveau
→ klassische Spätzyklus-Signale.

Historisch war das selten der Beginn einer Rallye — eher der Moment, in dem der Markt sagt: „Jetzt darf auch mal jemand anderes gewinnen.“

Quelle: Finanzwoche
Quelle: Finanzwoche
Quelle: Finanzwoche

KI-Boom frisst Gewinne (ja, wirklich)

Der eigentliche Börsenkrimi läuft aber woanders:
Die großen US-Techkonzerne investieren 2026 über 650 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur.
Klingt fantastisch. Hat aber einen Haken:
👉 Freier Cashflow sinkt.
👉 Aktienrückkäufe gehen zurück.

Und diese sogenannten „Buybacks“ waren seit 2009 einer der größten Kurstreiber der Wall Street.
Das ist wie beim Hausbau:
Solange du investierst, sieht das Konto traurig aus. Erst später wird’s schön. Die Börse mag aber kurzfristig schöne Kontostände.

Quelle: Finanzwoche

Deutschland überrascht positiv (ja, wirklich!)

Während alle auf die USA schauen, passiert leise etwas Interessantes:
Der deutsche Einkaufsmanagerindex steigt über 50 Punkte — Wachstumsschwelle überschritten. Industrie auf 44-Monatshoch.

Wahrscheinliche Ursache:
• Aufrüstung
• Sondervermögen
• staatliche Investitionen Meine Frau: „Also Schulden helfen doch?“ Ich: „Kurzfristig oft schon. Langfristig fragt man später nach der Rechnung.“

Quelle: Finanzwoche
Quelle: Finanzwoche

Meine Frau: „Also Schulden helfen doch?“

Ich: „Kurzfristig oft schon. Langfristig fragt man später nach der Rechnung.“

Und jetzt kommt noch der Iran ins Spiel

Weil ein Börsentag ohne geopolitische Spannung inzwischen als langweilig gilt:
• US-Militär im Nahen Osten verstärkt
• Trump setzt Iran ein Ultimatum
• begrenzter Militärschlag wird diskutiert

Timing auffällig:
• juristische Niederlage bei Zöllen
• schwache Konjunkturdaten
• State-of-the-Union-Rede steht an (Dienstag, 24.02.26)

Politisch nennt man das Strategie. An der Börse nennt man es Volatilität mit Ansage.

Was heißt das jetzt fürs Depot?

Der Markt sendet gerade fünf klare Signale:
✅ Liquidität könnte abnehmen
✅ US-Aktien verlieren relativen Rückenwind
✅ Europa wird attraktiver bewertet
✅ Marktbreite nimmt zu (nicht nur Tech steigt)
✅ Schwankungen bleiben hoch

Oder übersetzt: Die Zeit des einfachen „Index kaufen und vergessen“ wird schwieriger. Jetzt zählt wieder Auswahl.
Oder einfacher: Die Börse wechselt gerade von „Alles steigt gleichzeitig“ zu „Jetzt muss man wieder nachdenken.“
Sehr unangenehm für Anleger. Sehr gesund für Märkte.

Und der DAX?

Meine Frau schaut wieder auf mein Handy. „Also… hast g’sehn, wo da DAX steht?“

Ich nicke. „Ja.“

Sie: „Und?“

Ich: „Der macht genau das, was Börsen immer machen.“

Sie: „Was denn?“

Ich: „Er reagiert auf Dinge, die gestern noch niemand für möglich gehalten hat — und morgen schon wieder egal sind.“

Sie überlegt kurz. „Also alles wie in unserer Ehe?“

Ich schaue auf den Chart. Dann auf sie. „Genau. Langfristig Aufwärtstrend. Kurzfristig Diskussionen.“

Zum Abschluss: Wichtig zu wissen für das Jahr 2026

Im Laufe des Jahres droht ein stärkerer Rückschlag. Die Barreserven der Fondsmanager sind auf historischen Tiefs (Frage: wer hat noch Geld zum Kaufen?) und die längerfristigen Betrachtungen zeigen einen historisch hohen Optimismus.  Da aber der bekannte Fear & Greed-Index von CNN derzeit eher noch eine vorsichtige Einschätzung der Anleger dokumentiert, könnte das aktuelle Kursniveau die nächsten Monate bis in das Frühjahr hinein noch gehalten werden. Trotzdem empfiehlt sich der Aufbau einer komfortablen Cash-Quote, um im Laufe des Jahres wieder bei niedrigen Kursen zukaufen zu können.

Quelle: Finanzwoche
Quelle: Finanzwoche
Quelle: CNN

Der bekannte YouTube-Kanal von HKCM, ein Anbieter von Elliott-Wave-Analysen, sieht den weiteren Verlauf d. J. wie unten abgebildet im Index S&P500. Dient zumindest als Orientierungshilfe.

Quelle: HKCM

Wer sich für das Traden interessiert

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