Ein Küchentisch-Gespräch über die Themen für das Börsenjahr 2026 und wie man als Anleger damit umgehen könnte.
„Hast g’sehn, wo da DAX steht?“
Meine Frau sagt das nicht vorwurfsvoll. Eher so wie man sagt: Der Kuchen ist leer, aber niemand will’s gewesen sein.
Ich schaue aufs Handy, dann aus dem Fenster. „Ja“, sage ich vorsichtig, „oben.“
Sie: „Schon wieder?“
Ich: „Schon wieder.“
Und damit sind wir mitten im Börsenjahr 2026. Ein Jahr, das man – wie es so schön heißt – nicht einfach laufen lassen kann, sondern managen muss. Also nix mit Autopilot und Liegestuhl.
Erst Party, dann Rechnung
Wenn man dem Markt eine Dramaturgie geben müsste, wäre 2026 ein klassischer Zweiteiler:
Erstes Halbjahr: Rückenwind. Zweites Halbjahr: Nachdenken.
In den ersten Monaten hilft fast alles:
Saisonalität, Steuererstattungen, Investitionsanreize, die Hoffnung, dass die Notenbanken weiter „soft“ bleiben. In dieser Phase steigen Märkte gern auch dann, wenn die Konjunkturdaten eher mittelmäßig aussehen. Warum? Weil Liquidität, Positionierung und Erwartungsmanagement wichtiger sind als die letzte Nachkommastelle beim BIP.
„Also steigen die Kurse, obwohl’s eigentlich gar nicht so super läuft?“, fragt meine Frau.
„Genau“, sage ich. „Börse ist oft wie gute Laune auf Kredit.“
Ab Mai wird's ernster
Spätestens zur Jahresmitte könnte der Ton kippen. Dann stellt der Markt die Frage, die 2025 noch großzügig vertagt wurde:
„Viel Geld fließt in KI-Maschinen. Jetzt muss sich zeigen, ob sie auch Geld verdienen – oder nur Strom.“
„Wenn der Staat viel Geld ausgibt, sich stärker verschuldet und Anleger wieder höhere Zinsen verlangen, werden hohe Bewertungen an der Börse plötzlich nicht mehr so locker akzeptiert.“
Ab da entscheidet sich, ob Rücksetzer gekauft werden (Bull-Markt-Logik) oder ob sie anfangen, sich selbst nach unten zu verstärken (Bear-Markt-Logik).
„Also ob die Leute sagen: Chance! oder Rette sich, wer kann!“, fasst meine Frau zusammen.
Besser hätte ich’s nicht sagen können.
Midterm-Wahljahr: Nichts für Zartbesaitete
Historisch sind Midterm-Jahre selten gemütlich.
Sie sind schwankungsreich, nervös und politisch aufgeladen – wie man an den aktuellen Konflikten um Grönland, Venezuela und Iran sieht. Manchmal ist die erste Jahreshälfte zäh und die zweite besser – vor allem dann, wenn die Regierung alles daransetzt, die Wirtschaft vor den Wahlen freundlich aussehen zu lassen.
2026 ist genau so ein Jahr. Eines, das man steuern muss. Und ab Mai möglicherweise mit deutlich mehr Vorsicht.
Meine Frau sagt immer, ich werde erst dann wirklich unruhig, wenn ich anfange, Listen zu machen. Also gut – hier meine persönliche Börsen-Nervositätsliste für 2026:
1. Änderung KI-Investitonen
Nicht die absolute Höhe zählt, sondern die Richtung. Erste Kürzungen wirken oft wie ein Kippschalter.
2. Kreditmärkte
Zinsunterschiede und Refinanzierungskosten dort beobachten, wo Rechenzentren und Infrastruktur finanziert werden. Aktien folgen Anleihen oft verspätet – aber zuverlässig.
3. Marktbreite
Eine Rallye auf breiter Basis ist stabiler als eine, die nur von ein paar Schwergewichten getragen wird.
4. Dollartrend
Schwacher Dollar = Rückenwind für internationale Aktien und Rohstoffe. Starker Dollar = Spaßbremse.
5. Arbeitsmarkt vs. Politik
„Hohes Wachstum, hohe Arbeitslosigkeit“ ist politisch toxisch. Sobald KI als Job-Killer wahrgenommen wird, steigt das Risiko von Gegenmaßnahmen.
6. Japan & Yen
Steigende Zinsen und mögliche Carry-Trade-Auflösungen (wenn Anleger ihr billiges Japan-Geld zurückholen müssen) sind ein unterschätzter Störfaktor.
7. Geopolitik
Venezuela, Taiwan, Grönland, Iran – Trumps außenpolitische Ankündigungen – viel Ablenkung, wenig Berechenbarkeit.
Meine Frau nickt. „Kurz gesagt: Es gibt genug Gründe, nicht übermütig zu werden.“
Ich: „Exakt.“
Sie: „Und was machen wir jetzt?“
Fazit!
Das Fazit ist eigentlich unspektakulär – und gerade deshalb wichtig:
• Volatilität einplanen und bei großen Ausschlägen nicht in Panik verfallen
• Rücksetzer als Chancen sehen – aber gestaffelt, nicht All-in
• Diversifikation ernst nehmen (Indizes, Währungen, Themen)
• Qualität bevorzugen: Aktien mit guter Bilanz, hohem Cashflow und Preissetzungsmacht suchen
• temporäre Absicherungen (z. B. mit Optionen) nicht als Spaßbremse sehen, sondern als Möglichkeit, investiert zu bleiben
• Thematisch breiter denken: KI ja – aber auch Automatisierung, Infrastruktur, Energie, Verteidigung, reale Assets
Meine Frau steht auf, nimmt ihre Kaffeetasse und sagt: „Also: Nicht euphorisch, nicht panisch – sondern aufmerksam.“
Ich lächle. „Genau. Und wenn du mich nächste Woche wieder fragst, wo der DAX steht, sag ich einfach: Irgendwo zwischen Hoffnung und Realität.“
Das passt wahrscheinlich erstaunlich gut zu 2026!
Wer sich für das Traden interessiert
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