Oder: Warum Geld drucken keine Diät ist und KI noch kein Geschäftsmodell. Als ich noch für eine Vermögensverwaltung gearbeitet habe, wurde ich oft – wie oben beschrieben – von meiner Frau begrüßt. Das bedeutet, sie hatte mir vorher gesagt, wohin der Aktienmarkt aus ihrer Sicht laufen würde, und ich war anderer Meinung. Ratet mal, wer dann Recht hatte, wenn mir dieser Satz entgegenschlug?
„Hast g’sehn, wo der DAX steht?“ fragt meine Frau beim Abendessen – ganz beiläufig, als würde sie wissen wollen, ob noch Milch im Kühlschrank ist.
Ich nicke wichtig. „Ja. Aber das ist kompliziert.“
Sie schaut mich an. Dieser Blick sagt: Dann erklär’s einfach.
Die Notenbank druckt wieder - und keiner will's so nennen
„Also“, sage ich, „die US-Notenbank hat die Zinsen gesenkt. Und kauft wieder Staatsanleihen.“ „Aha“, sagt sie. „Wie nannte man das früher?“ Ich räuspere mich. „Quantitative Easing.“ „Geld drucken“, sagt sie.
Punkt.Und genau das ist es auch.
De facto ist die Fed wieder im QE-Modus, obwohl man offiziell so tut, als wäre es nur ein bisschen Liquiditätspflege. Deshalb sind die Analysten optimistisch für 2026.
Der Unterschied zu 2019: Damals waren Aktien günstig. Heute sind sie teuer – teilweise so teuer wie 2000.
Nur ohne vorherigen Crash zur Abkühlung.
Sie: „Und das ist gut für Aktien?“
Ich: „Kurzfristig ja. Langfristig… schwierig.“
Warum steigende Zinsen trotz Zinssenkung ein Problem sind
Meine Frau runzelt die Stirn. „Moment. Wenn Zinsen gesenkt werden, müssten doch auch die langfristigen Zinsen fallen?“
„Normalerweise schon. Diesmal nicht.“
Zum ersten Mal in diesem Zyklus sinken die kurzfristigen Zinsen, während die langfristigen hoch bleiben
– ein Warnsignal für Liquiditätsengpässe im Finanzsystem.
Die USA müssen inzwischen 14 % ihrer Staatsausgaben allein für Zinsen aufwenden.
„Das ist wie bei uns“, sagt sie. „Wenn man den Dispo günstiger macht, aber der Immobilienkredit teurer wird.“
Ich notiere mir gedanklich: Diese Frau hätte Fondsmanagerin werden sollen.
2026 wird kein Spaziergang
„Und nächstes Jahr?,“ fragt sie.
Ich atme tief durch. „2026 wird schwieriger.“
Bis zum Frühjahr hilft noch Rückenwind: lockere Geldpolitik, Fiskalprogramme in den USA und Deutschland.
Danach drohen höhere Inflation, steigende Langfristzinsen und die Erkenntnis, dass Bewertungen keine Luftmatratzen sind.
Sie: Also erst Party, dann Kater.
Ich: “Exakt.“
KI: viel Fantasie - wenig Einnahmen
„Und die KI?“ Jetzt wird sie hellhörig. Sie weiß: Das ist mein Lieblings-Thema.
„Bis 2030 sollen rund 3 Billionen Dollar investiert werden“, sage ich. „JP Morgan rechnet sogar mit zusätzlichen 1,5 Billionen Dollar Kredit.“
„Und?“
„Die Frage ist: Wann verdient das eigentlich Geld?“
Viele Unternehmen investieren parallel in dieselbe Technologie – und machen sich gegenseitig Konkurrenz.
Margen sinken, Monetarisierung bleibt unklar.
Einige KI-Firmen wie OpenAI verbrennen laut Schätzungen bis 2030 rund 200 Milliarden Dollar Cash.
„Das klingt“, sagt meine Frau, „als hätten alle den neuesten Thermomix – aber keiner verkauft Essen.“
Ich nicke: „Genau so!“
Small-Caps: Die Unterschätzten stehen auf
„Gibt’s auch gute Nachrichten?“ fragt sie.
„Ja. Kleine Unternehmen.“
US-Small-Caps zeigen steigende Gewinnprognosen, teilweise deutlich stärker als die Tech-Giganten.
Der Russell 2000 wird für 2026 mit +49 % Gewinnwachstum prognostiziert.
Zudem sind viele Anleger dort unterinvestiert – ein klassisch positives Markttechnik-Signal.
Sie: „Also nicht immer die Großen?“
Ich: „Nicht immer.“
Rohstoffe: Gold, Silber, Kupfer - alles glänzt
Sie: „Und Rohstoffe?“
Ich: „Die laufen.“
“Gold ist zur wichtigen Reservewährung geworden.
Silber und Kupfer profitieren von Angebotsdefiziten und dem Energiehunger der KI-Rechenzentren.
China plant 150 neue Atomreaktoren, Uran ist knapp, Kupfer ebenso.
„Also echte Dinge“, sagt sie.
Ich: „Richtig. Keine Power-Point-Rohstoffe.“
Deutschland: viel Geld, viele Fragezeichen
„Und wir?“, fragt sie.
Deutschland startet eine historische Neuverschuldung – Infrastruktur, Klima, Migration, Verteidigung.
Kurzfristig ein Konjunkturimpuls, langfristig ein Zinsthema.
Ob Zinssenkungen wirklich entlasten, ist fraglich. Der Realzins steigt, die Immobilienbranche bleibt vorsichtig.
Sie: „Heißt?“
Ich: „Inlandswerte und kleinere Aktien könnten profitieren. Aber einfach wird 2026 nicht.“
Fazit am Küchentisch
Meine Frau lehnt sich zurück.„Also: Geld wird gedruckt, KI kostet, kleine Aktien überraschen, Rohstoffe sind real – und 2026 wird kein Selbstläufer.“
Ich lächle. „Perfekt zusammengefasst.“
Sie steht auf, räumt den Tisch ab und sagt im Weggehen: „Dann weißt du ja, was zu tun ist.“
Ich frage: „Was denn?“
Sie: „Nicht nur schauen, wo der DAX steht. Sondern auch warum.“
Und genau dafür gibt es diese Kolumne. Merasogined!
Wer sich für das Traden interessiert
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