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Hast g’sehn, wo da DAX steht? (14)

Eine 5-teilige Kolumne über Ehe, Börsen und das gewisse „Ich hab’s dir ja gesagt“. Als ich noch für eine Vermögensverwaltung gearbeitet habe, wurde ich oft – wie oben beschrieben – von meiner Frau begrüßt. Das bedeutet, sie hatte mir vorher gesagt, wohin der Aktienmarkt aus ihrer Sicht laufen würde, und ich war anderer Meinung. Ratet mal, wer dann Recht hatte, wenn mir dieser Satz entgegenschlug?

1. Der Bitcoin hustet, meine Frau hört's zuerst...

„Hast g’sehn, wo der DAX steht?“ ruft meine Frau vom Sofa, während sie eine Tasse Tee hält, als wäre sie das Orakel von Delphi – nur in kuscheligen Socken.

Nein, ich hab auf Studenten während einer Klausur aufgepasst“, murmele ich, noch mit Jacke an.

„Hättest du mal lieber auf Bitcoin geschaut. Der hustet.“

Sie sagt das so beiläufig, als würde sie feststellen, dass die Milch überläuft. Ich blättere durch die Daten: Tatsächlich, der November war schwach, die Stimmung im Keller, der Fear & Greed Index irgendwo nahe Erdmittelpunkt. Weltbörsen leicht erholt, KI boomt, Arbeitsmarktdaten besser als gedacht. Wieder hat sie’s gefühlt, bevor ich’s lesen konnte.

„Du, ich merke sowas“, sagt sie. „Der Bitcoin hat die gleiche Energie wie unsere Kaffeemaschine im Entkalkungsmodus.“

Ich frage mich, warum ich früher eigentlich Gehalt bekommen habe, um Märkte zu analysieren, während sie im Vorbeigehen jede Marktbewegung riecht wie ein Trüffelschwein für Volatilität.

2. Die KI-Blase und meine Frau, die plötzlich Alphabet-Fan ist...

Abends sitze ich über einer Grafik zu KI-Investitionen. Milliarden! Billionen! Ein Sektor, der die gesamte Wirtschaft trägt! Und gleichzeitig die Frage: Wird das eine Blase, oder wird’s der technische Heiland der Weltwirtschaft?

Meine Frau schaut auf meinen Bildschirm und sagt nur: „OpenAI geht an die Börse mit 500 Milliarden Bewertung? Also da würd ich ja mal Gewinne mitnehmen – wenn ich welche hätte.“

„Du hast gar keine OpenAI-Aktien.“

„Eben! Das war mein Beitrag zur Risikominimierung.“

Während ich noch darüber innerlich schmunzle, erzählt sie weiter: „Und dieser Alphabet-Sprung mit ihren eigenen Chips… Hast g’sehn? Das ist wie wenn du sagst, du brauchst keinen Thermomix, weil der alte Topf auch warm wird.“

Ich schaue sie an. „Woher weißt du das alles?“

„Ach“, sagt sie, „ich hab heute früh ein YouTube-Video gesehen.“

Ich frage mich, ob YouTube mich arbeitslos machen könnte. Oder schlimmer: meine Frau ersetzt mich komplett als Haushalts-Vermögensverwalter.

3. Zinsen, Schulden, Midterms - und meine Frau erklärt mir die Weltordnung

Ich lese gerade, dass 2026 als Midterm-Wahljahr schwächeln könnte, dass Trump Zölle verteilt wie Lebkuchen und gleichzeitig Milliarden an Helikoptergeld verspricht. Die Staatsverschuldung steigt weltweit, Konsumausgaben dagegen überraschend stabil, und die KI-Investitionen treiben die US-Wirtschaft wie ein überdrehter Espresso.

Meine Frau hört nur das Wort „Midterms“ und sagt trocken: „Midterms sind wie unser Frühjahrputz. Man weiß, dass es kommt, aber man verdrängt’s, bis man nicht mehr anders kann.“

„Und die Börsen?“

„Schwächeln natürlich. Wer würde mitten im Putzen gut aussehen?“

Dann legt sie den Kopf schief, mustert mich und ergänzt: „Und Trump verteilt Geld, das er nicht hat? Das ist wie du, wenn du im Supermarkt bist.“

Ich möchte widersprechen, habe aber gerade erst gestern wieder allerhand Krimkrams gekauft, obwohl wir das gar nicht brauchen.

Sie liest ein bisschen weiter über meine Schulter. „Hm. Hypothekenverschuldung niedrig, Konsum stabil… Das klingt so, als könnten die Amerikaner eigentlich entspannen.“

„Na ja“, sage ich, „es hängt viel an KI.“

„Ach“, winkt sie ab. „Wenn die Chips alle sind, ist der Boom vorbei. Wie beim Raclette an Silvester.“

Wie macht sie das immer? Sie bringt volkswirtschaftliche Zusammenhänge runter auf das Niveau eines Aldi-Sonderangebots – und trifft trotzdem den Punkt.

4. China wächst, Deutschland schwächelt - aber meine Frau hält's für ein Küchenproblem

Ich lese gerade, dass China wieder um fünf Prozent wächst, trotz Immobilienkater und sinkenden Investitionen. Exporte stark, Tech-Sektor günstig, weltweit führend bei Energieerzeugung und E-Autos. Kurz: China sprintet, während Deutschland laut Analyse im Energiemangel stolpert wie ich über die Teppichkante im Flur.

Meine Frau sieht die Schlagzeile und sagt: „Klar wächst China. Die haben ja auch Strom.“

„Wie meinst du das?“

„In Deutschland sprengen wir Kühltürme, während andere halbe Kraftwerksparks bauen. Da brauchst du keine Analyse – nur Lichtschalter.“

Dann findet sie die Passage über die Telekom, die ein Datencenter mit 10.000 Chips baut. „Süß“, sagt sie. „OpenAI braucht 500.000.“

„Immerhin ein Anfang“, sage ich.

„Ja“, meint sie, „aber wenn du einen Swimmingpool willst und jemand sagt: ‚Ich fang schon mal mit einer Suppenschüssel an‘ – freut dich das dann?“

Sie hat wieder diesen Gesichtsausdruck, der sagt: Ich hab recht und du weißt es. Ich habe den Verdacht, dass man ihre Sprüche in Wirtschaftsvorlesungen verwenden könnte. Eventuell sogar als Prüfungsstoff.

5. Silber glänzt, der Dollar stolpert - und meine Frau hat schon wieder "recht"

Im letzten Teil der Analyse geht es um Edelmetalle: Silber auf Hoch, Platin stabil, Gold im Aufholmodus. Und natürlich die ewigen Zinsfragen, Dollar-Stimmung, ETF-Ströme, Liquiditätssorgen. Komplexe Materie, fein austariert, vielschichtig. Ich lese konzentriert.

Meine Frau setzt sich neben mich, schaut auf die Edelmetallgrafik und sagt: „Silber steigt? Hab ich doch gestern gesagt.“

„Wann hast du das gesagt?“

„Als ich den Silberschmuck poliert habe – der ist glänzender gewesen als sonst.“

Sie meint das völlig ernst. Dann blättert sie weiter. „Ah, Dollar-Stimmung maximal negativ. Das ist wie du montags.“

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Und das heißt…?“

„Wenn alle mies drauf sind, kann’s nur besser werden.“

Erstaunlich – so einfach lässt sich ein Währungskomplex zusammenfassen, für den sonst ganze Dissertationen geschrieben werden.

Zum Schluss sagt sie: „Also zusammengefasst: KI kann kippen, Silber glänzt, die USA drücken Geld wie Waffelteig und Deutschland müsste mal den Sicherungskasten reparieren. Aber du, Schatz – hast eigentlich g’sehn, wo der DAX steht?“

Ich seufze. „Nein.“

Siehst du. Dabei war’s doch ‚mal dein Job.“

MERASOGINED!

Wer sich für das Traden interessiert

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