Sonntagmorgen. Ich sitze am Küchentisch. Vor mir eine Tasse Kaffee, daneben die Zeitung und dieses leicht nervöse Gefühl, das Anleger immer bekommen, wenn irgendwo die Worte „größter Börsengang aller Zeiten“ auftauchen.
Meine Frau schaut kurz auf. „Du, sag mal … hast g’sehn, wo da DAX steht?“
Ich: „Nein.“
Sie: „Warum nicht?“
Ich: „Weil ich gerade etwas Größeres lese.“
Sie schaut skeptisch. „Noch größer als der DAX?“
Ich nicke langsam. „SpaceX geht an die Börse.“
Kurze Stille.
Sie: „Moment … diese Raketenfirma von Elon Musk?“
Ich: „Genau.“
Sie: „Und was kostet der Spaß?“
Ich nehme einen Schluck Kaffee. „Zwei Billionen Dollar Bewertung.“
Meine Frau schaut mich an. Dann den Kaffee. Dann wieder mich.
Sie: „Ich glaub, dein Kaffee ist nicht mehr gut.“
Ich erkläre ihr, dass das vermutlich der größte Börsengang aller Zeiten werden könnte. Raketen. Satelliten. Künstliche Intelligenz. Mars-Pläne. Raumfahrt-Infrastruktur. Und natürlich: Zukunft. Viel Zukunft. Sehr viel Zukunft. Eigentlich so viel Zukunft, dass wahrscheinlich sogar die Zukunft selbst sagt: „Jetzt reicht’s langsam.“
Meine Frau: „Moment mal … die wollen also zwei Billionen wert sein?“
Ich: „Ja.“
Sie: „Was verdienen die denn?“
Ich: „Ungefähr 25 Milliarden Umsatz.“
Sie schaut mich an wie jemand, der gerade erfahren hat, dass Butter künftig nur noch im Leasing erhältlich ist.
Sie: „Also verstehe ich das richtig?“
Ich: „Bitte vorsichtig …“
Sie: „Man bezahlt heute schon für Gewinne, die irgendwann vielleicht entstehen könnten?“
Ich: „An der Börse nennt man das Zukunft.“
Sie: „Bei uns zuhause nennt man das Spekulation.“
Unschöne Präzision.
Ich erkläre weiter:„Die Anleger glauben an Starlink, an KI-Rechenzentren im All und an Elon Musks Idee, irgendwann Menschen auf dem Mars anzusiedeln.“
Meine Frau nickt. Ganz langsam. Dann sagt sie: „Aha.“
Noch eine Pause. „Und was kostet dort eine Eigentumswohnung?“
Analyse
SpaceX ist kein typischer Börsengang. Das Unternehmen dominiert bereits große Teile des Raketenmarktes und verfügt mit Starlink über eine gewaltige Satelliten-Infrastruktur.
Der Unterschied zu vielen früheren Börsenhypes: Hier gibt es echte Umsätze, echte Technologie und reale Marktanteile.
Das Problem ist nur: Der Preis könnte bereits eine nahezu perfekte Zukunft eingepreist haben. Denn wenn eine Bewertung Richtung zwei Billionen Dollar geht, kaufen Anleger nicht nur das Unternehmen von heute.
Sie kaufen: zukünftige Gewinne – zukünftige Technologien – zukünftige Märkte und wahrscheinlich noch drei zukünftige Galaxien dazu.
Und genau da wird es spannend. Denn die Börse hat eine merkwürdige Eigenart: Sie liebt Geschichten. Aber irgendwann möchte sie auch Zahlen sehen.
Meine Frau steht auf, nimmt ihre Tasse und schaut mich an.
„Weißt du, was ich gelernt habe?“
Ich: „Was denn?“
Sie: „Wenn Leute anfangen, Grundstücke auf dem Mars einzupreisen …“
Ich warte.
Sie: „… sollte man vielleicht prüfen, ob auf der Erde noch alles in Ordnung ist.“
Und dann geht sie aus der Küche.
Ich schaue auf meine Zeitung.
Und denke:
Sie könnte recht haben.
Wobei …
ein Balkon mit Südausrichtung auf dem Mars hätte schon was. 🚀
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