You are currently viewing Hast g’sehn, wem das Depot gehört?

Hast g’sehn, wem das Depot gehört?

Ich sitze am Küchentisch, Kaffee links, Zeitung rechts, und lese einen Artikel über ein Wort, das klingt, als wäre es direkt aus dem Grundbuch von Kaiser Wilhelm gefallen:

Nießbrauch.

Meine Frau schaut über ihre Kaffeetasse. „Was liest du denn da?“

Ich: „Nießbrauch.“

Sie: „Ist das eine neue Krankheit?“

Ich: „Nein.“

Sie: „Eine griechische Vorspeise?“

Ich: „Auch nicht.“

Sie: „Dann klingt es nach etwas, das ein deutscher Steuerberater erfunden hat.“

Und ehrlich gesagt: Ganz falsch lag sie damit nicht.

Das Problem vieler vermögender Eltern

Irgendwann kommt bei vielen Familien die Frage auf: Wann soll Vermögen an die Kinder übertragen werden?

Und noch wichtiger: Wie macht man das möglichst steuerschonend? Denn der Staat ist bei Schenkungen grundsätzlich freundlich. Zumindest bis zu bestimmten Grenzen.

Kinder dürfen von jedem Elternteil alle zehn Jahre 400.000 Euro steuerfrei erhalten. Enkel immerhin noch 200.000 Euro.

Das klingt zunächst großzügig. Wenn allerdings ein Depot, ein Haus oder mehrere ETFs im Spiel sind, wird diese Grenze manchmal schneller erreicht als ein Freibierstand auf dem Oktoberfest.

Die elegante Idee

Hier kommt das sogenannte Nießbrauch-Depot ins Spiel. Die Grundidee ist überraschend clever: Die Eltern schenken bereits heute das Depot an die Kinder. Die Dividenden und Ausschüttungen fließen aber weiterhin an die Eltern.

Oder anders formuliert: Man verschenkt den Apfelbaum. Die Äpfel darf man aber weiterhin selbst ernten.

Meine Frau nickt. „Also wie wenn du mir das Auto schenkst, aber weiterhin damit zum Stammtisch fährst?“

Ich: „Genau.“

Sie: „Das klingt irgendwie nach typisch Mann.“

Wo liegt der steuerliche Vorteil?

Beim Nießbrauch wird der Wert der zukünftigen Erträge rechnerisch vom Schenkungswert abgezogen. Dadurch sinkt der steuerlich relevante Wert der Schenkung.

In diesem Artikel in der „Welt“ wird folgendes Beispiel genannt:

Ein Vater möchte seiner Tochter ein Depot im Wert von 800.000 Euro übertragen.

Ohne Nießbrauch:
Schenkung: 800.000 Euro
Freibetrag: 400.000 Euro
Steuerpflichtig: 400.000 Euro
Schenkungsteuer: rund 60.000 Euro

Mit Nießbrauch:
Kapitalwert des Nießbrauchs: rund 410.000 Euro
Steuerlicher Erwerb sinkt auf etwa 390.000 Euro
Ergebnis: keine Schenkungsteuer

Meine Frau schaut mich an. „Moment. Der Staat bekommt 60.000 Euro weniger?“ Ich: „So ungefähr.“

Sie: „Dann wundert mich, dass das überhaupt erlaubt ist.“

Für wen lohnt sich das?

Und genau hier kommt der Haken. Ein Nießbrauch-Depot ist keine Standardlösung für jeden ETF-Sparer.

Die Experten sehen den sinnvollen Einsatz eher bei größeren Vermögen. Häufig wird ab 300.000 bis 500.000 Euro Depotvolumen darüber nachgedacht.

Warum? Weil:
Verträge erstellt werden müssen
Steuerberater beteiligt sind
Banken mitspielen müssen
die Konstruktion verwaltet werden muss.

Bei einem Depot von 50.000 Euro wäre das ungefähr so, als würde man für den Einkauf beim Bäcker einen Notar beauftragen.

Welche Wertpapiere eignen sich?

Besonders geeignet sind:

Dividendenaktien
ausschüttende Fonds
ausschüttende ETFs
Anleihen mit Zinszahlungen

Weniger geeignet:

Wachstumsaktien
thesaurierende ETFs

Der Grund ist einfach: Die laufenden Erträge sollen ja weiterhin an den Schenker fließen. Wenn gar keine Ausschüttungen entstehen, wird das Ganze deutlich komplizierter.

Die größte Gefahr

Jetzt kommt der typisch deutsche Teil. Ein Nießbrauch-Depot funktioniert nur dann gut, wenn alles sauber geregelt wird:

Wer darf verkaufen?
Wer entscheidet über Umschichtungen?
Was passiert bei Scheidung?
Bei Insolvenz?
Bei Familienstreit?

Meine Frau lacht. „Also genau die Themen, die in jeder Familie früher oder später auftauchen.“

Ich: „Exakt.“

Die Analyse

Fachlich betrachtet ist das Nießbrauch-Depot eine der elegantesten Möglichkeiten der vorweggenommenen Erbfolge. Es verbindet drei Ziele gleichzeitig:

Vermögen früh übertragen
Schenkungsteuer reduzieren
Eigene Einkünfte sichern

Besonders interessant wird die Konstruktion für Familien mit größeren Depots und langfristigem Planungshorizont.

Der wichtigste Satz des gesamten Artikels lautet allerdings: „Je früher, desto besser.“ Denn wer Vermögen ohnehin übertragen möchte, sollte nicht warten, bis Krankheit, Pflegefall oder Erbstreit die Entscheidungen übernehmen.

Fazit!

Das Nießbrauch-Depot ist ein bisschen wie ein Familienunternehmen. Die nächste Generation bekommt schon die Schlüssel.

Die ältere Generation behält aber zunächst noch die Einnahmen. Und genau deshalb ist es eine der wenigen steuerlichen Konstruktionen, bei der am Ende häufig alle zufrieden sind:

die Eltern,
die Kinder,
die Vermögensverwalter

… und lediglich das Finanzamt schaut gelegentlich etwas nachdenklich in die Akte. 😄📈

Gesamtüberblick

Wer sich für das Traden interessiert

Bitte den Disclaimer lesen

Teile den Beitrag