Meine Frau: „Sag mal … hast g’sehn, was mit Silber passiert ist?“
Ich: „Wenn du meinst, dass mein Depot am Freitag kurz ohnmächtig geworden ist: ja.“
Sie: „Dreißig Prozent! Dreißig! Das ist ja kein Rücksetzer mehr, das ist ein freier Fall.“
Ich: „Silber hat halt beschlossen, den Fallschirm erst nächste Woche zu öffnen.“
Freitagvormittag. Ein Blick aufs Handy. Noch ein Blick. Dann dieses ungute Gefühl, das man sonst nur kennt, wenn man merkt, dass man den Herd angelassen hat. Spotpreis runter, Futures hinterher – alles gemeinsam Richtung Keller. Größter Preisrutsch seit über 40 Jahren.
Sie: „Und warum?“
Ich: „Weil Politik und Notenbank wieder beschlossen haben, den Rohstoffmärkten einen kleinen Nervenzusammenbruch zu spendieren.“
Auslöser war eine Personalie aus Washington. Donald Trump nominierte überraschend Kevin Warsh als möglichen Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank.
Sie: „Warsh … war das nicht der mit dem Falkenblick?“
Ich: „Genau der. Früher zumindest.“
Zwar hat Warsh zuletzt freundlich über niedrigere Zinsen gesprochen, aber wer ein bisschen länger Börsengedächtnis hat, erinnert sich: Während der Finanzkrise 2008 war er eher Team Inflation ist schlimmer als alles andere. Selbst als die Welt wackelte, machte er sich mehr Sorgen um steigende Preise als um den Konjunktureinbruch. Und eine aufgeblähte Fed-Bilanz findet er ungefähr so sympathisch wie einen überfüllten Dachboden.
Sie: „Und das reicht, um Silber 30 % runterzuprügeln?“
Ich: „An der Börse reicht manchmal schon ein schief gehobenes Augenbrauenpaar.“
Höhere Zinsen, straffere Geldpolitik, stärkerer Dollar – das ist für Edelmetalle ungefähr so angenehm wie Gegenwind auf der Autobahn. Also wurde verkauft. Viel. Schnell. Ohne Sicherheitsnetz.
Sie: „Heißt das jetzt: Finger weg?“
Ich: „Oder: willkommen im Sonderangebot.“
Denn jetzt kommen die Rebound-Jäger aus ihren Ecken. Die, die sagen: So viel Panik kann man auch mal kaufen.
Viele schauen sich aktuell den WisdomTree Core Physical Silver ETC (ISIN: JE00BQRFDY49) an.
Physisch besichert, Kostenquote von gerade mal 0,19 % im Jahr, echtes Silber im Tresor – kein Derivate-Zauber, kein Hebel-Gewackel.
Sie: „Und steuerlich?“
Ich: „Nach zwölf Monaten Haltedauer: steuerfrei. Deutschland kann manchmal auch romantisch sein.“
Das Produkt wird steuerlich wie ein privates Veräußerungsgeschäft behandelt. Wer Geduld hat, spart sich die Abgeltungsteuer. Für manche fast spannender als die Kursfantasie.
Sie: „Aber fundamental?“
Ich:
Photovoltaik, Elektromobilität, Elektronik – ohne Silber läuft da wenig. Die industrielle Nachfrage ist nicht verschwunden, sie hatte nur kurz Angst. Viele Analysten sprechen inzwischen von einer überverkauften Situation.
Sie: „Also war das jetzt die Talsohle?“
Ich: „Wenn ich das wüsste, würd ich das hier nicht bei Kaffee erzählen.“
Ob es schon dreht, hängt wie immer von Dollar, Fed und Konjunktur ab. Sicher ist nur: Der Markt hat überreagiert. Und Überreaktionen sind an der Börse bekanntlich das Lieblingsrevier von risikobereiten Anlegern.
Sie: „Fazit?“
Ich:
Oder, etwas alltagstauglicher formuliert:
Sie: „Silber schaut grad schlimm aus.“
Ich: „Ja. Und genau dann sollte man wenigstens hinschauen.“
Hier die Chartanalysen für Silber
Silber stösst in einem langfristigen Aufwärtstrendkanal oben an.
Mein Dank geht an den YouTube-Kanal „projekt30.de“ von Marius Schweitz für die hervorragenden Chartanalysen, die ich nur jedem empfehlen kann.
Nach dem starken Rückschlag bietet sich die Zone zwischen 70 und 85 USD für einen ersten von mehreren Käufen an.
Die Untertassenformation mit Zielen von 443 und im Extremfall 686 USD bleibt intakt, solange Silber über 49 USD notiert.
Wer sich für das Traden interessiert
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