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Geldanlage in inflationären Phasen

In Zeiten höherer Inflation sollte man als Anleger seine Anlagepolitik überdenken. Dabei hilft es, in die Historie zu schauen, welche Anlageklassen in diesen Phasen am besten abgeschnitten haben und den besten Schutz boten.

In Inflationszeiten muss man nicht nur bei den erzielten Renditen die Teuerung weit stärker mit einkalkulieren, als dies zu Zeiten des gedämpften Preisauftriebs erforderlich ist. Man sollte auch berücksichtigen, wie die verschiedenen Formen der Geldanlage auf den inflationären Trend reagieren.

Welche Anlageklasse profitiert hiervon, welche leidet darunter und gibt es eine eindeutige Antwort darauf?

Um das näher zu beleuchten, lohnt sich ein Blick zurück in die 1970er-Jahre, denn diese Zeit ist vergleichbar mit der heutigen. Auch damals legte die zunehmende Finanzierung von Staatsausgaben auf Pump die Basis für die anziehende Teuerung. Zudem trieben drastisch steigende Rohstoffpreise die Inflation entscheidend nach oben.

Jim Reid, Volkswirt bei der Deutschen Bank, hat die Wertentwicklung der Anlageklassen in den 70er-Jahren berechnet und kommt dabei zu folgendem Ergebnis: Real betrachtet war es eine unangenehme Zeit für Aktien und Anleihen. Der breite amerikanische Aktienindex S&P 500 kam zwar auf ein durchschnittliches Plus von fünf Prozent pro Jahr – nach Abzug der Inflation ergab sich jedoch ein jährliches Minus von einem Prozent.

Erstaunlich ist dabei, dass die Unternehmensgewinne in diesen Jahren durchaus munter weitersprudelten und stiegen dabei sogar etwas schneller als die Teuerungsrate. Allerdings reduzierte sich damals das Verhältnis zwischen Unternehmensgewinnen und Aktienkursen beständig. Am Höhepunkt 1966 wurden Aktien mit dem 24-Fachen des Gewinns bezahlt, während sie am Ende der 1970er-Jahre nur noch dem neunfachen Gewinn bezahlt wurden.

Offensichtlich sind Anleger in Hochinflationszeiten vorsichtiger bei der Übernahme von Risiken und wollen für einen bestimmten Gewinn pro Aktie ein geringeres Kurs-Gewinn-Verhältnis bezahlen, was somit die Kursentwicklung deckelt.

Wären Anleihen oder Rohstoffe vor 50 Jahren eine Alternative gewesen?

US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit erzielten in dem Betrachtungszeitraum ebenfalls ein Minus von einem Prozent pro Jahr nach Abzug der Inflation. Das gleiche gilt erstaunlicherweise für Kupfer, denn Rohstoffe gelten als sicherer Rückzugsort für die Geldanlage in Inflationszeiten. Doch auch Aluminium brachte es in den 70ern nur auf ein Plus von einem Prozent pro Jahr, Nickel auf zwei Prozent. Immerhin kam Weizen auf vier Prozent jährliche Rendite nach Abzug der Teuerung, während Rohöl sogar mit einem Plus von 24 Prozent aufhorchen lässt. Das ist allerdings naheliegend, denn der Ölpreisschock war ein wesentlicher Treiber der Inflation.

Entscheidend für den Anlageerfolg in den 1970ern war somit, in welche Rohstoffe man investierte. Dies waren hauptsächlich Energieträger und Agrarprodukte. Es spricht einiges dafür, dass dies auch jetzt wieder der Fall sein dürfte. Privatanleger können über bestimmte Finanzprodukte in Rohstoffe investieren, beispielsweise über sogenannte ETC (Exchange Traded Commodities –> Beitrag lesen). Man muss dabei aber wissen, dass sie so konstruiert sind, dass sie über die Zeit Geld verlieren. Nur wenn der Preisanstieg größer ist als diese konstruktionsbedingten Verluste, macht der Anleger Gewinn.

Es gibt aber einen Rohstoff, bei dem dieses Problem nicht besteht und zwar bei Gold. Auch deshalb gilt das Edelmetall seit jeher als die ultimative Inflationsabsicherung. Dessen Preis hat sich in den 1970er-Jahren nach Abzug der Teuerungsrate glatt verzehnfacht. Als allerdings Ende der 80er-/Anfang der 90er-Jahre die Preissteigerung in den USA ebenfalls zwischen vier und sechs Prozent lag und sie in Deutschland bis auf fünf Prozent kletterte, war ein Investment in Gold nicht lohnenswert. In dieser Phase fiel der Goldpreis trotz einer relativ starken Teuerung um rund ein Viertel. Möglicherweise hatte der Goldpreisanstieg in den Jahren davor aber auch schon einiges vorweggenommen.

Quelle: Welt

Wird die Rolle von Gold als Inflationsschutz überschätzt?

Möglicherweise ist das so. Zumindest ist nicht garantiert, dass es den gewünschten Ertrag liefert, wenn Inflation ein Problem darstellt. Auch in den vergangenen Jahren tendierte der Goldpreis unter Schwankungen mehr oder weniger seitwärts. Einen deutlichen Ausbruch nach oben, so wie in den 1970er-Jahren, hat es bisher nicht gegeben. Allerdings könnte sich dies in nächster Zeit ändern, wie ich in meinem Artikel „Gold(ene) Zeiten“ analysiere. Als klassischer Inflationsschutz gelten zudem Immobilien. Doch auch sie brachten in den 1970er-Jahren in den USA real gerade einmal einen Wertzuwachs von einem Prozent pro Jahr. In Deutschland sah es dagegen etwas besser aus. Die Preise stiegen bis zum Ende des Jahrzehnts um 85 Prozent, die Konsumentenpreise dagegen stiegen nur um 64 Prozent. Gegenwärtig dürften die Immobilienpreise jedoch noch für einige Zeit unter den gestiegenen Zinsen leiden.

Was kann man dann noch tun in Inflationszeiten?

Es kommt letztendlich auf die Auswahl innerhalb der jeweiligen Anlageklassen (Rohstoffe, Aktien, Anleihen). Obwohl Aktien in den 70ern real grundsätzlich Verluste erlitten, war der Energiesektor der Bereich, in dem es etwas zu verdienen gab. Bei Anleihen war mit kürzeren Laufzeiten deutlich mehr zu verdienen wie mit längeren Fälligkeiten. Grundsätzlich sollte man aber damit rechnen, dass es bei anhaltend hoher Inflation schwer sein wird, positive reale Wertentwicklungen zu erzielen. Auch mit Gold und Immobilien sind diese nicht garantiert.

Wie sieht es im Fall einer Hyperinflation aus?

In der Hyperinflation von 1923 in Deutschland waren reale Werte wie Immobilien, Unternehmen, landwirtschaftliche Güter oder auch Gold die wichtigsten Wertspeicher, aber auch Aktien. Die Börsenkurse waren zwar unmittellbar nach dem Ersten Weltkrieg deutlich eingebrochen, als die Gewinne aus der Kriegsproduktion wegfielen. Doch wenn man Anfang 1920 in Aktien investiert hatte, konnte man sein Vermögen nicht nur erhalten. Es hatte sich nach dem Ende der Hyperinflation sogar mehr als verdoppelt.

Quelle: Welt
Allerdings muss man in solchen Zeiten auch den Zugriff des Staates mit einkalkulieren. So verbot die deutsche Regierung im Sommer 1923 den Besitz von Gold und ausländischen Devisen. Wer Edelmetalle, Dollar oder Pfund nicht freiwillig abgab, musste mit Razzien rechnen, bei denen all das konfisziert wurde. Und alle, die ihr Vermögen mit Immobilien erhalten hatten, wurden später mit einer Hauszinssteuer belegt.
Quelle: Welt

Fazit

In Zeiten mit anhaltend hohen Inflationszahlen muss man bei der Anlagepolitik auf eine Mischung aus den richtigen Aktien, bestimmten Rohstoffen wie z. B. Gold und Immobilien achten.

In diesem Buch erfährst Du alles, was man über Inflationszusammenhänge wissen muss und wie man sein Geld schützen kann.

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