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Freitags-Kolumne am Küchentisch: Meine Frau, die KI – und drei Jahrhundert-Aktien

Warum die Kontrolleure der Engpässe die Zukunft der Börse bestimmen. Eine Börsen-Kolumne über die Märkte, Emotionen und Anlegerpsychologie.

Freitagmorgen. Ich sitze am Küchentisch, in der Hand ein Kaffee, vor mir die Zeitung „Welt“ und das Gefühl, dass ich geistig erst ab der zweiten Tasse online gehe.

Meine Frau schaut über den Rand ihrer Lesebrille und sagt: „Du, sag mal… wenn jetzt alles künstlich intelligent wird – warum schaut dein Depot dann immer noch so natürlich traurig aus?“

Ein harter Einstieg in den Tag.

„Weil Qualität Zeit braucht“, sage ich würdevoll.

„Aha“, sagt sie. „Oder weil du gestern wieder irgendwas gekauft hast, was klingt wie eine Hautcreme.“

Ich ignoriere die Unterstellung und tippe auf den Welt-Artikel vor mir: Die drei Jahrhundert-Aktien der KI-Ikone.

„Schau“, sage ich. „Da steht, die nächste Phase von KI entscheidet sich nicht mehr beim Chatbot, sondern im Maschinenraum: Chips, Strom, Rechenzentren, Kühlung, Infrastruktur.“

Meine Frau nickt langsam. „Also nicht der, der am lautesten redet – sondern der, der den Stromkasten besitzt?“

Ich starre sie an.

„Ja“, sage ich leise. „Exakt das.“

Sie schneidet sich ein Stück Butter ab wie eine Hedgefonds-Managerin beim Frühstück.

Sie: „Und was sind jetzt diese Jahrhundert-Aktien?“

„ARM“, sage ich wichtig. „Die liefern Prozessor-Architektur. ASML baut Maschinen, ohne die modernste Chips gar nicht produziert werden können. Und Nvidia bleibt wichtig, aber nicht mehr allein auf der Bühne.“

Sie hebt eine Augenbraue. „Aha. Also wenn früher im Wirtshaus einer die Schnitzel gemacht hat, braucht’s jetzt auch den Metzger, den Stromanbieter und den, der die Fritteuse repariert?“

Ich: „Du machst es sehr volkstümlich.“

Sie: „Ich mach’s verständlich.“

Wieder ein Punkt für sie.

Ich erkläre weiter: „Der Fondsmanager sagt im Grunde: Die großen Gewinne liegen künftig bei den Engpässen. Wer das Nadelöhr kontrolliert, kassiert.“

Meine Frau lacht. „Dann wär ich auch börsennotiert.“

Ich: „Wie meinst du das?“

Sie: „Na, wer kontrolliert denn bei uns das Nadelöhr vom Haushaltsgeld?“

Ich schweige. Auch Aktionäre kennen Demut.

Dann fragt sie: „Und was heißt das jetzt für normale Leute?“

Ich nippe am Kaffee. „Dass man nicht jedem Hype hinterherlaufen sollte. Oft verdient nicht der, der glänzt – sondern der, der liefert.“

„Wie im echten Leben“, sagt sie. „Alle reden über den Starkoch. Aber keiner bedankt sich bei dem, der morgens um fünf Semmeln bringt.“

Ich klappe die Zeitung zu.

Da steht sie wieder – diese erstaunliche Fähigkeit meiner Frau, jede komplexe Börsentheorie in einen Satz zu verwandeln. An der Börse wird oft das Rampenlicht bezahlt. Das große Geld verdient manchmal der Mann hinterm Lichtschalter.

Sie räumt den Tisch ab und sagt im Gehen: „Wenn Du also unbedingt KI kaufen willst – dann kauf was mit Substanz. Nicht wieder so eine App, die dir verspricht, dass sie deine Gefühle analysiert.“

Ich: „Die war günstig.“

„Ja“, sagt sie trocken. „Wie dein letzter Irrtum.“

Und ich denke mir: Vielleicht ist meine Frau gar kein Mensch. Vielleicht ist sie die erste wirklich funktionierende künstliche Intelligenz im Haushalt.

Hier die Kurzanalysen zu den genannten Werten

Quelle: Welt

Wer sich für das Traden interessiert

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