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Emerging Markets – Wenn der Zins plötzlich nach Aktien schmeckt

Es gibt Tage, da stehe ich in der Küche, schaue in den Kühlschrank – und stelle fest: Das Spannendste darin ist der Senf von 2021. Genau so fühlte sich jahrelang der Anleihemarkt an. Sicher? Ja. Langweilig? Auch ja. Rendite? Eher homöopathisch dosiert.

Und plötzlich kommt einer wie Andreas Hecker von Vontobel um die Ecke und sagt sinngemäß: „Anleihen könnten wieder aktienartige Renditen liefern.“

Da horcht selbst der Hobbykoch auf. Aktienartige Renditen? Bei Anleihen? Das klingt ungefähr so, als würde jemand behaupten, Blumenkohl könne Spaß machen. Skepsis ist also erlaubt. Aber – und das ist das Interessante – diesmal steckt mehr dahinter als Marketinggewürz.

Die neue Würze kommt aus der Vorratskammer der Welt

Die Zutatenliste liest sich international: Indien, Lateinamerika, Teile Afrikas, Osteuropa, arabische Staaten. Finanzmärkte nennen das elegant Emerging Markets. Früher übersetzt: Länder, bei denen Anleger nervös wurden. Heute zunehmend: Länder mit besseren Haushaltsbüchern als manche Industrienation.

Während viele westliche Staaten Schuldenquoten um oder über 100 % des BIP schleppen, liegen viele Schwellenländer deutlich darunter. Das ist ungefähr so, als hätte der Nachbar mit dem kleineren Haus plötzlich die solidere Haushaltskasse.

Quelle: Focus Money

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Die Zinsen dort sind oft deutlich höher als die Inflation. Für Anleger bedeutet das endlich wieder echten Realzins – ein Wort, das lange so selten war wie ein sauberer Herd nach dem Sonntagsbraten.

Sechs, sieben Prozent Rendite pro Jahr erscheinen derzeit möglich. Nicht garantiert, aber realistisch genug, dass selbst konservative Anleger wieder neugierig werden.

Warum Anleihen plötzlich wieder knusprig werden

Drei Faktoren wirken gerade zusammen wie ein perfekt abgestimmtes Rezept:

1. Hohe Zinsniveaus Viele Schwellenländer mussten früher gegen Inflation kämpfen und haben die Zinsen kräftig angehoben. Jetzt profitieren Anleger von hohen Kupons.

2. Sinkende Zinsen als Bonus Fallen die Zinsen künftig, steigen Anleihekurse. Das ist Börsenphysik wie beim Backen: Temperatur runter, Kuchen geht auf.

3. Schwächerer Dollar Ein schwächerer Dollar lockt Kapital in lokale Währungen. Anleger bekommen also nicht nur Zinsen, sondern möglicherweise auch Währungsgewinne obendrauf.

Plötzlich entsteht etwas, das man lange vermisst hat: eine Anlageklasse zwischen Sparbuch und Aktien – mit Renditefantasie, aber weniger Nervenkitzel als der tägliche Blick aufs Aktiendepot.

Aber Vorischt: Nicht jedes Gericht gelingt

Natürlich wäre es zu schön, wenn man einfach „Schwellenländer-Anleihen“ kauft und automatisch glücklich wird. Die Realität ist eher wie ein internationales Buffet: viel Auswahl, aber nicht alles verträgt jeder Magen.

Risiken bleiben: politische Instabilität, Währungsschwankungen, einzelne Zahlungsausfälle.

Die gute Nachricht: Die Ausfallraten bei Staatsanleihen sind aktuell sehr niedrig, und viele Emittenten erreichen inzwischen Investmentgrade-Ratings. Die schlechte: Man muss auswählen können.

Einzelanleihen sind für Privatanleger schwer zugänglich. Deshalb landen viele Investoren bei Fonds oder ETFs.

Aktiv gemanagte Fonds haben dabei einen Vorteil: Sie können Schuldensünder meiden, während klassische Indizes oft gerade die größten Schuldenmacher am stärksten gewichten – ein bisschen wie ein Kochwettbewerb, bei dem automatisch der größte Topf gewinnt, nicht das beste Gericht.

Hier einige unverbindliche Beispiele - keine Empfehlung

Quelle: extraETF
Quelle: Focus Money
Quelle: Focus Money

Die Markowitz-Weisheit aus der Küchenpraxis

Der Nobelpreisträger Harry Markowitz sagte einmal: „Diversifikation ist das einzige Gratisessen beim Investieren.“

Und genau hier passen Emerging-Markets-Anleihen ins Depot: nicht als Hauptgericht, sondern als Beilage mit überraschendem Geschmack. Ein bisschen wie Olivenöl im Kartoffelsalat – früher ungewohnt, heute unverzichtbar.

Fazit aus der Küche!

Nach Jahren der Zins-Diät erleben Anleihen gerade ihr Comeback. Und ausgerechnet die Schwellenländer liefern die spannendste Variante: höhere Zinsen, bessere Staatsfinanzen als ihr Ruf und die Chance auf Kursgewinne.

Aktienartige Renditen? Vielleicht ein leicht ambitionierter Vergleich. Aber sagen wir es so:

Der Anleihemarkt hat wieder angefangen zu kochen. Und diesmal riecht es nicht nach Kantine – sondern nach einem Gericht, das man sich freiwillig nachnimmt. Und das ist an der Börse bekanntlich schon fast ein Wunder.

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