Küchentisch. Kaffee dampft. Butter ist hart. Die Zeitung liegt offen. Ich lese. Meine Frau rührt im Joghurt.
Ich: „Sag mal … hast du gewusst, dass die Schwellenländer jetzt fast genauso Tech-lastig sind wie die USA?“
Sie (ohne aufzuschauen): „Aha. Und ich dachte immer, Schwellenländer wären Hütten, korrupte Politiker und jemand, der dir dein Geld wegnimmt, bevor du „ETF“ sagen kannst.“
Ich: „Genau das steht hier: falsches Image. Die sind heute quasi Silicon Valley mit besserem Essen.“
Sie: „Moment. Letztes Jahr hast du gesagt, Emerging Markets seien nichts für schwache Nerven.“
Ich: „Ja, und jetzt steht hier: plus 30 Prozent im letzten Jahr.“
Sie (blickt hoch): „Plus dreißig?“
Pause.
Sie: „Und wir waren nicht dabei?“
Ich (räuspere mich): „Emotional diversifiziert, würde ich sagen.
Tech, Tech, Tech – aber exotischer
Sie: „Erklär mir das langsam. Ich habe noch keinen zweiten Kaffee.“
Ich: „Also. Dieser MSCI Emerging Markets Index – das ist sozusagen die Hitparade der Schwellenländer – besteht heute fast zur Hälfte aus Tech und Kommunikation.“
Sie: „Schwellenländer… Tech… Das klingt wie „Bio-Leberkäse“.“
Ich: „Ja, denkt man. Aber schau: Da sind Namen drin, die wir kennen. TSMC, Samsung, Tencent, Alibaba …“
Sie: „… und ich dachte immer, Alibaba ist ein Märchen.“
Ich: „Und SK Hynix, Weltmarktführer bei Speicherchips.“
Sie: „Aha. Also nicht Ziegenzüchter mit Excel-Tabellen.“
Ich: „Exakt.“
Die Angst sitzt tief – der Abschlag auch
Sie: „Aber warum haben dann alle so Angst davor?“
Ich: „Historisch bedingt. Regierung greift ein, Zahlen sind intransparent, plötzlich ist dein Aktionärsrecht so viel wert wie ein Pfandbon von 1993.“
Sie: „Klingt nach meiner letzten Eigentümerversammlung.“
Ich: „Nur internationaler. Aber: Die Bewertungen sind deutlich günstiger als in den USA. Rund 40 Prozent Abschlag gegenüber dem S&P 500.“
Sie: „Heißt?“
Er:„Heißt: Gleiche Technik, weniger Glamour, niedrigerer Preis.“
Sie: „Also der Dacia unter den Tech-Aktien?“
Ich: „Eher: Toyota. Läuft. Sieht keiner. Aber bringt dich ans Ziel.“
Gewinnwachstum: nicht sexy, aber wirkungsvoll
Sie: „Und wachsen die auch oder sind das nur schöne PowerPoint-Folien?“
Ich: „Erwartetes Gewinnwachstum: etwa 15 Prozent. USA eher zehn. Europa … (ich schweige kurz ehrfürchtig).“
Sie: „Sag nichts. Ich weiß.“
Ich: „Dazu bessere Cashflows, höhere Dividenden, steigende Eigenkapitalrenditen.“
Sie: „Moment. Sag das nochmal langsam. Mit Begeisterung.“
Ich: „Steigende Aktionärsrenditen.“
Sie (lächelt): „Jetzt klingst du wieder wie früher.“
Regierungen, die plötzlich nett zu Aktionären sind
Sie: „Und die Regierungen? Machen die immer noch, was sie wollen?“
Ich: „Teilweise. Aber zum Beispiel Südkorea hat ein offizielles Programm, um Aktionäre glücklicher zu machen. Mehr Dividenden, Rückkäufe, bessere Unternehmensführung.“
Sie: „Südkorea… nett zu Aktionären…“
Pause. 2026 wird wirklich wild.
Ich: „Japan hat vorgemacht, dass so etwas jahrelang wirken kann.“
Makrozeug, das sogar Sinn ergibt
Sie: „Und warum jetzt?“
Ich: „Niedriger Ölpreis – viele EM-Länder importieren Öl.
Schwacher Dollar – Finanzierung wird leichter.
Und der Handel läuft zunehmend untereinander, nicht mehr nur Richtung USA und Europa.“
Sie: „Also weniger Abhängigkeit vom großen Bruder.“
Ich: „Genau. Pubertierende Volkswirtschaften, die langsam selbst entscheiden.“
Fazit am Küchentisch
Sie: „Also zusammengefasst:
– Weniger Bambushütte, mehr Halbleiterfabrik
– Günstiger bewertet
– Höheres Wachstum
– Und wir haben’s wieder verpasst?“
Ich (nicke): „Aber diesmal lesen wir es früh.“
Sie: „Gut. Dann machen wir es wie immer: Wir investieren – und erklären später allen, dass wir „langfristig überzeugt“ waren.“
Ich: „Oder wir warten noch ein bisschen.“
Sie (steht auf, nimmt die Kaffeekanne): „Genau das ist übrigens der Grund, warum Emerging Markets ohne uns 30 Prozent gemacht haben.“
Vorhang. Kaffeemaschine klickt. Depot bleibt kurz still.
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