Was sind ELTIFs?
Sie sind für langfristige Investoren in Europa gedacht, die bisher keinen Zugang zu nichtöffentlichen Märkten wie Private Equity (Unternehmensbeteiligung), Private Debt (Kreditfinanzierung), Infrastruktur oder Immobilien hatten. Damit soll vermehrt auch privates Kapital zur Finanzierung der grünen Transformation beitragen. Da hier aber hohe Einstiegshürden und komplizierte Strukturen vorherrschten, konnten sich ELTIFs in den Portfolios deutscher Privatanleger bislang nicht durchsetzen.
Die Erträge von alternativen Investments liegen oft deutlich über denen anderer Anlageformen. Allerdings gilt das nicht für jedes Angebot und häufig schmälern noch hohe Kosten die Erwartungen
„Erstmals“, wie manche Anbieter behaupten, können Privatanleger in solche Segmente übrigens nicht investieren. Dies war auch bisher schon über geschlossene Fonds oder vereinzelte Versicherungsprodukte möglich – ganz so exklusiv war der Club also nie, nur etwas unübersichtlich.
Was ändert sich durch die Reform?
Seit dem 10. Januar 2024 gibt es die reformierte Verordnung ELTIF 2.0. Wichtigste Änderungen sind das Entfallen von Mindestanlagesummen und die Lockerung von Anlagekriterien. Der europäische Gesetzgeber hat die Liste der zulässigen Vermögensgegenstände deutlich erweitert. Das Spektrum umfasst jetzt auch grüne Anleihen und Dachfondsstrukturen – man könnte sagen, ELTIFs haben endlich ihr vegetarisches Menü ergänzt bekommen.
Es muss auch nicht das ganze Anlegergeld in die zulässigen Assets investiert werden. Bislang waren es mindestens 70 Prozent, nach der Reform sind es nur noch mindestens 55 Prozent. Der Rest könnte also theoretisch auch komplett als Liquidität gehalten werden, was die Rendite stark schmälern könnte – eine Art finanzielles „Sicherheitsdeckchen“, das leider wenig erwirtschaftet. Auch die hohe Aufnahme von Fremdkapital – nach der Reform sind bis zu 50 Prozent des Nettovermögenswertes möglich – würde die Erträge drücken.
Dank der Reform wollen vermehrt Investmenthäuser erstmals ein solches Vehikel auflegen und andere ihr Angebot vergrößern. Der Research- und Ratinganbieter Scope geht davon aus, dass sich das Volumen bis Ende 2026 mehr als verdoppeln wird von derzeit 13,6 auf 30 bis 35 Milliarden Euro – ein Wachstum, das selbst Zimmerpflanzen neidisch machen könnte.
Wie sind ELTIFs konzipiert?
Bei der ELTIF-Verordnung geht man laut Bafin grundsätzlich von einer geschlossenen Fondsstruktur aus. Ausnahmsweise kann es jedoch auch offen strukturiert sein, wobei dabei einige Beschränkungen zu beachten sind:
• Die Rückgabe der Anteile darf nicht vor Ablauf einer Mindesthaltedauer erfolgen – nichts für Menschen, die schon ungeduldig werden, wenn der Wasserkocher 20 Sekunden braucht.
• Für diese Rücknahmen müssen eindeutige Bedingungen definiert sein.
• Die Anleger sollen fair behandelt werden, was gegebenenfalls auch eine anteilige Rückgabe einschließt.
Grundsätzlich ist also für das Sachwerte-Investment beides möglich. Außerdem sind sämtliche nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) zulässigen Rechtsformen erlaubt. Deshalb haben die ELTIFs auch nicht unbedingt eine ISIN, wie man dies als Anleger von Wertpapieren oder offenen Fonds gewohnt ist. Bei geschlossenen ELTIFs, die auch an Privatanleger vertrieben werden können, liegt die maximale Obergrenze bei 30 Jahren.
Allerdings sind in der Praxis die Laufzeiten meist deutlich geringer. Bei offenen ELTIFs gibt es aufgrund der Rückgabemöglichkeiten vor Laufzeitende keine Obergrenze. Weshalb viele dieser semiliquiden Angebote als „Evergreen“-Strukturen ausgestaltet sind mit einer Laufzeit von bis zu 99 Jahren – quasi der Methusalem unter den Fonds.
• Private-Equity-Angebote sind auf zehn bis zwölf Jahre ausgelegt und versprechen meist mindestens zehn Prozent Rendite jährlich.
• Private-Debt-ELTIFs laufen mit fünf bis acht Jahren kürzer und haben Ertragserwartungen von rund acht Prozent p. a.
• Infrastruktur-Investments (u. a. erneuerbare Energien mit Solarparks, Windrädern oder Stromtrassen) sind mit zehn bis zu 50 Jahren oft sehr langfristig ausgelegt und sollen sechs bis sieben Prozent p. a. bringen.
Die Abgrenzung zwischen den einzelnen Bereichen ist aber nicht immer ganz eindeutig, da auch gemischte Strukturen zulässig sind. Es empfiehlt sich deshalb, stets die Anlagestrategie genau zu lesen – ja, auch das Kleingedruckte, so ungern man es tut.
Wie viel Geld muss man mindestens investieren?
Dank der Reform können Privatanleger nun ohne Einschränkungen investieren. Zuvor gab es eine Mindestanlage von 10.000 Euro und zudem durften bei einem Anlage-Portfolio von weniger als 500.000 Euro höchstens zehn Prozent dieser Summe in ELTIFs angelegt werden. Es ist aber weiterhin sinnvoll, aus Gründen der Diversifikation nur einen überschaubaren Teil seines Vermögens in solche Vehikel zu investieren.
Dabei sollte man berücksichtigen, dass bei Fondsgesellschaften, die verschiedene Anteilsklassen ausgeben, die Tranchen mit geringeren Anlagesummen in aller Regel dann mit höheren Kosten verbunden sind – eine Art „Kleinmengenaufschlag“, wie man ihn sonst nur beim Metzger kennt.
Welche Kosten sind zu berücksichtigen?
Grundsätzlich sind ELTIFs günstiger als herkömmliche Beteiligungsmodelle. Laut Scope liegen die jährlichen Managementgebühren mit Mindestinvestitionssummen von weniger als 100.000 Euro ungefähr zwischen 0,95 und 2,6 Prozent. Zusätzlich gibt es bei vielen ELTIFs eine Erfolgsgebühr, die zwischen zehn und 20 Prozent über einer definierten Schwelle liegt. Bei manchen Vehikeln kommen auch noch Ausgabeaufschläge hinzu – man könnte sagen: Auch ein ELTIF lebt nicht von Luft und Liebe.
Beispiele verschiedenener ELTIFs (ohne Gewähr)
Fazit!
In jedem Fall sind ELTIFs eher langfristige Investments, die nicht ständig handelbar sind. Als Bonus für die Illiquidität profitieren sie von höheren Renditen der Assets. Wer in ELTIFs anlegt, sollte es sich daher auch finanziell leisten können – und nicht auf die jederzeitige Verfügbarkeit des Geldes angewiesen sein. Letztlich kommt es also sowohl bei den Investitionen als auch bei der ELTIF-Struktur vor allem auf die Qualität des Managements an.
Schließlich werden für die Kredite vergleichsweise hohe Zinsen fällig. Privatanleger sollten sich daher so gut wie möglich über die Erfahrung und die Kompetenz der Anbieter wie der handelnden Personen informieren. Die Möglichkeit, in ELTIFs zu investieren, wächst ständig. Das hohe Zinsniveau hat die Emittenten in den beiden letzten Jahren gedämpft, aber Scope rechnet künftig mit deutlich mehr ELTIF-Angeboten.
Laut Ratingagentur Scope hat das ELTIF-Volumen im Jahr 2024 um 38 Prozent zugelegt, auf 20,5 Milliarden Euro. Bis Ende 2027 rechnet Scope mit einer Verdreifachung des Marktes – ein Wachstumstempo, bei dem selbst Bausparverträge erröten würden.
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