You are currently viewing Durch große Erbschaften werden sich Vermögen und Märkte verändern

Durch große Erbschaften werden sich Vermögen und Märkte verändern

Während Normalverdiener ihre Kontoauszüge sortieren, wird ganz oben deutlich mehr bewegt: Die finanzielle Macht der Welt ordnet sich neu. Laut einer Studie der UBS steht der größte Vermögenstransfer der Geschichte bevor. In den kommenden Jahren wechseln Billionen Dollar den Besitzer – und landen bei einer Generation, die lieber nachhaltig, digital und mobil investiert als in schwere Ledersessel mit Familiensiegel.

Die Macht des Geldes verändert sich. Und zwar nicht nur an der Börse oder in Konjunkturstatistiken, sondern ganz grundlegend. 

Ein neuer Report der UBS, der in der Zeitung „WELT“ thematisiert wird, zeigt: Weltweit verschieben sich private Vermögen in historischem Ausmaß.

Billionen Dollar gehen in den nächsten Jahren an junge Erben – mit deutlich anderen Vorstellungen davon, was man mit sehr viel Geld eigentlich tun sollte.

Die Schweizer Großbank spricht von einem klaren Generationenwechsel: „Der Aufstieg der neuen Generation verändert die globale Landschaft“, heißt es nüchtern im Bericht. Übersetzt bedeutet das: Die Kinder übernehmen – und räumen erst einmal um. Benjamin Cavalli, Leiter des Geschäfts mit strategischen Kunden bei der UBS, erklärt: Familien würden internationaler, mobiler und deutlich schneller beim Übergang des Vermögens. Dabei gehe es weniger um das bloße Bewahren, sondern immer stärker um die Frage: Wie macht man Nachkommen handlungsfähig, statt nur vermögend?

Viele Milliarden - und immer mehr davon

Laut UBS gibt es weltweit aktuell 2682 Milliardäre – knapp neun Prozent mehr als im Vorjahr. Gemeinsam häufen sie ein Vermögen von 15,8 Billionen US-Dollar an. Einen ordentlichen Beitrag leisten dabei 196 neue Selfmade-Milliardäre, die zusammen 386,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet haben. Der Mythos „Vom Tellerwäscher zum Milliardär“ lebt also weiter – nur eben mit Startups und Serverfarmen statt Schwämmen.

Doch nicht nur die Höhe des Vermögens ist historisch, sondern auch das, was demnächst vererbt wird. Allein Milliardäre über 79 Jahre hinterlassen laut UBS mindestens 5,9 Billionen Dollar. Kurzum: Es steht das größte Familientreffen der Finanzgeschichte bevor – inklusive Erbschatten, Family Offices und PowerPoint-Präsentationen.

Kapital liebt gute Bedingungen - und zieht um

Der größte Teil dieses Geldes bleibt in den USA: Rund 2,8 Billionen Dollar wechseln dort den Besitzer. Westeuropa folgt mit 1,3 Billionen, Asien mit gut 1,17 Billionen. Doch bemerkenswert ist weniger das Wo als das Warum.

Die neue Milliardärs-Generation ist mobil. Laut UBS haben 36 Prozent der Superreichen ihren Wohnsitz bereits mindestens einmal verlegt, weitere neun Prozent denken darüber nach.

Steuerpolitik, Bürokratie und Standortqualität werden damit zu entscheidenden Faktoren – Mobilität wird zur Finanzstrategie.

Besonders hoch im Kurs steht Singapur: niedrige Steuern, effiziente Verwaltung und Diskretion mit Augenmaß. Die Schweiz bleibt ein Klassiker – reguliert, aber bewährt. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gewinnen an Bedeutung: niedrige Steuern, moderne Finanzinfrastruktur und ein System, das sowohl Transparenz als auch das geschätzte Maß an Diskretion ermöglicht.

Frankreich verliert - Deutschland überrascht

Frankreich hingegen verliert deutlich an Attraktivität. Hohe Abgaben, ein strenger steuerlicher Ton und wachsende Zweifel an der Staatsfinanzierung vertreiben Vermögen. In Lateinamerika sorgen politische Turbulenzen und instabile Institutionen für Kapitalflucht. Deutschland dagegen überrascht: Laut UBS stieg die Zahl der Milliardäre um 40, ihr Vermögen um satte 26,7 Prozent. Das passt nicht ganz zum dauerhaften Krisenimage, zeigt aber: Auch Jammern kann ein lukratives Geschäftsmodell sein.

Nachfolge war gestern - Selbstverwirklichung ist heute

Die größten Veränderungen spielen sich jedoch im Kopf ab. 82 Prozent der Milliardäre wünschen sich, dass ihre Kinder beruflich unabhängig erfolgreich sind. Nur noch 43 Prozent erwarten, dass das Familienunternehmen fortgeführt wird. Das klassische „Du übernimmst irgendwann alles“ verliert an Beliebtheit.

Viele Familien haben erkannt: Unternehmen sind heute weniger generationsfest als früher. Märkte drehen schneller, Technologien überholen Geschäftsmodelle schneller, und das Lebenswerk der Eltern passt nicht automatisch zur Welt der Kinder. Verantwortung wird deshalb zunehmend über Bildung, Werte und Entscheidungsfreiheit weitergegeben – nicht mehr über den Chefsessel.

Was Milliardärs-Erben wirklich wollen

Auch Studien von PwC zeigen: Die neue Generation strebt nach Unabhängigkeit, Diversifikation und gesellschaftlicher Wirkung. Statt einfach im bestehenden System mitzulaufen, setzen junge Erben auf digitale Geschäftsmodelle, nachhaltige Technologien und neue Anlageklassen. Dieser Vermögenstransfer ist daher weit mehr als ein Eigentümerwechsel. Er ist ein Mentalitätswandel, der prägen wird, wohin Kapital künftig fließt – und wofür es eingesetzt wird.

Vorsicht statt Gier - selbst ganz oben

Interessant ist zudem: Milliardäre werden vorsichtiger. Trotz des jüngsten Vermögensbooms – angetrieben vor allem von US-Technologiekonzernen – sehen nur noch 68 Prozent die USA als attraktivsten Markt. Im Vorjahr waren es noch 80 Prozent. Westeuropa und Asien holen auf.

Diese Vorsicht zeigt sich auch in den Portfolios. Taktische Investments wie Hedgefonds, Gold oder andere Edelmetalle gewinnen an Bedeutung.

Frei nach dem Motto: Reich bleiben ist schwieriger als reich werden.

Aktien bleiben dennoch gesetzt – vor allem in Industrie- und Schwellenländern. Gemieden werden dagegen klassische Anleihen. Die größten Sorgen der Superreichen? Geopolitik, Handelskonflikte, Inflation und Schulden. Also im Grunde dasselbe wie beim Privatanleger – nur mit mehr Nullen auf dem Konto.

Fazit!

Kurz gesagt: Die Milliarden wechseln den Besitzer. Aber nicht gedankenlos. Die neue Generation denkt internationaler, nachhaltiger und vorsichtiger. Und zeigt: Auch sehr viel Geld will inzwischen gut überlegt angelegt sein.

Wer sich für das Traden interessiert

Bitte den Disclaimer lesen

Teile den Beitrag