Die Lage an der Börse spitzt sich zu. Deshalb heute eine wichtige Warnung an alle Anleger, die nicht langfristig denken, sondern flexibel in ihrer Anlagepolitik sind.
Kapitel 1: Die große KI-Party – oder: Wenn sogar der Toaster „AI-powered“ ist
Die Wall Street benimmt sich derzeit wie ein Teenager auf drei Dosen Energydrink und einer Kreditkarte ohne Limit. Aktien wie Intel, Micron Technology oder SanDisk schießen nach oben, als hätte jemand den Börsenchart versehentlich auf „Raketenstart“ gestellt. In Südkorea explodieren Speicherchip-Aktien um 230 % in einem Jahr. Analysten sagen dazu ganz trocken: „Da gehen vielleicht noch weitere 25 %.“
Klar. Und ich könnte theoretisch auch noch mit 64 Profi-Breakdancer werden.
Die Stimmung erinnert stark an die Zeit kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Damals genügte es, wenn ein Unternehmen „.com“ im Namen hatte. Heute reicht „AI“. Wenn morgen jemand eine KI-gesteuerte elektrische Bratpfanne mit Blockchain ankündigt, steht die Aktie vermutlich am nächsten Morgen bei plus 400 %.
Besonders herrlich: Der Indikator Relative-Stärke-Index (RSI) auf Monats-Basis von 98 bei manchen Aktien. Das ist ungefähr so gesund wie ein Blutdruck von 290 beim Treppensteigen.
Und trotzdem gilt an der Börse weiterhin der alte Spruch: „Man soll tanzen, solange die Musik spielt.“
Das Problem: In einigen Bereichen hat die Musik längst aufgehört – nur manche tanzen noch weiter. Und das sieht dann ungefähr so elegant aus wie Onkel Herbert um 2:30 Uhr auf einer Hochzeit zu „Atemlos“.
Kapitel 2: Die Kreditblase - oder: Wenn der Finanzmarkt plötzlich schwitzt
Während vorne auf der Bühne die KI-Euphorie gefeiert wird, knistert es hinter den Kulissen bereits gewaltig. Die große Gefahr heißt diesmal nicht Immobilienblase, sondern „Private Loans“. Klingt harmlos. Ist es aber ungefähr so sehr wie „leichte Turbulenzen“ bei einem Flugzeug ohne Tragflächen.
Nach der Finanzkrise sind viele riskante Kredite aus dem klassischen Bankensystem ausgelagert worden. Jetzt finanzieren große Investmenthäuser Datencenter, Softwarefirmen und KI-Projekte mit Milliarden – eingesammelt bei institutionellen Anlegern und Privatanlegern. Und plötzlich wollen Anleger ihr Geld zurück.
Jetzt kommt der wirklich bemerkenswerte Teil: Große Häuser wie Blackstone oder Apollo Global Management bitten offenbar ihre eigenen Manager, Geld in die Fonds zu stecken. Das ist ungefähr so beruhigend wie wenn der Kapitän im Flugzeug durchsagt: „Falls jemand fliegen kann – wir könnten vorne gerade etwas Unterstützung gebrauchen.“
Dazu steigen Kreditausfälle bei Autokrediten und Kreditkarten auf Rekordniveau. Viele Verbraucher sind längst am Limit. Die Wall Street bestellt Champagner – die Main Street schaut gleichzeitig aufs Konto und überlegt, ob der Wocheneinkauf diesmal mit oder ohne Käse stattfindet. Die Börse feiert. Die Realität zahlt die Rechnung.
Kapitel 3: Öl, Energie und die Physik - der Teil, den die Börse verdrängt
Jetzt wird’s unangenehm. Denn KI braucht eines ganz besonders: Strom. Sehr viel Strom. Und gleichzeitig explodieren weltweit die Energieprobleme. Die Straße von Hormus bleibt angespannt, Öltransporte geraten unter Druck, Indien fordert Energiesparen, Südkorea setzt Benzinpreisgrenzen fest – woraufhin Tankstellen sagen: „Dann schließen wir halt.“ Das funktioniert ungefähr so gut wie Mietpreisdeckel in Monaco.
Der eigentliche Witz: Der Papierölpreis suggeriert noch eine gewisse Ruhe, während physisches Öl längst knapp wird. Die Märkte tun so, als sei alles halb so wild. Die Realität sagt: „Freunde, hier fehlen Millionen Barrel.“
Das Problem daran: Wenn Energie künstlich billig wirkt, verbrauchen alle munter weiter. Das ist ungefähr so intelligent wie jemand, der bei Hochwasser sagt: „Das Wasser steigt zwar, aber solange die Schuhe noch trocken sind, passt alles.“ Gleichzeitig steigen Rohstoffpreise, Kupferpreise, Transportkosten und Produktionskosten. Und die Inflation sagt: „Überraschung – ich bin übrigens doch noch da.“
Damit wird aus der großen Hoffnung auf Zinssenkungen plötzlich die Gefahr von Zinserhöhungen. Die Börse: „KI wird alles retten!“ Die Physik: „Schauen wir mal.“ Und gegen Physik hat historisch noch nicht einmal die Wall Street dauerhaft gewonnen.
Kapitel 4: Finale Euphorie - oder: Warum Blasen meistens mit Konfetti enden
Das Faszinierende an Börsenblasen ist: Sie fühlen sich kurz vor dem Ende meistens am besten an. Genau das macht sie so gefährlich. Die Marktbreite wird immer schlechter. Immer weniger Aktien tragen den Markt. Aber die großen KI-Gewinner ziehen die Indizes weiter hoch – wie fünf durchtrainierte Bodybuilder, die versuchen, einen kompletten Reisebus bergauf zu schieben.
Dazu kommt der Optionsmarkt: Spekulanten kaufen massenhaft Call-Optionen. Die Verkäufer dieser Optionen müssen sich absichern und kaufen wiederum Aktien. Dadurch steigen die Kurse weiter. Danach kaufen wieder mehr Leute Optionen. Ein wunderschöner Kreislauf. Wie eine Waschmaschine im Schleudergang – nur mit Billionen Dollar.
Das erinnert massiv an März 2000. Damals glaubten auch viele: „Diesmal ist alles anders.“ Spoiler: War es nicht. Natürlich kann die Party noch weitergehen. Blasen können länger irrational bleiben, als viele denken. Aber je höher die Kurse steigen, desto näher steht man am Ausgang.
Oder wie man an der Börse vielleicht sagen könnte: „Wenn der Taxifahrer, der Nachbar und der Fitnesscoach gleichzeitig KI-Memory-Aktien empfehlen – dann sollte man zumindest mal prüfen, wo die Notausgänge sind.“
Fazit!
Am Jahresanfang habe ich einen positiven Börsenverlauf bis Mai angenommen. Bis jetzt ist das gut gelaufen. Vor allem aber sind die in der Kolumne Nr. 20 genannten Kursziele (hier der Beitrag) erreicht, wenn nicht sogar übertroffen worden. Zeit also, vorsichtiger zu werden und wieder Cash aufzubauen.
Wer sich für das Traden interessiert
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