Manche Anlagestrategien verlangen tägliche Marktbeobachtung, sechs Monitore, hektisches Augenrollen bei CNBC und den Satz: „Ich habe da ein Gefühl.“
Die Faulbär-Strategie dagegen sagt: 👉 Leg dich wieder hin. Wir machen das einmal im Jahr.
Erfunden wurde sie von der Zeitschrift FOCUS MONEY, und zwar schon 1992 – also in einer Zeit, als man Aktienkurse noch aus Zeitungen ausgeschnitten hat und ETFs exotischer waren als Avocados.
Wie funktioniert die Faulbär-Strategie?
Kurzfassung: Kaufe jedes Jahr den größten Verlierer. Nein, nicht den in der Familie. Den an der Börse.
Die Regel ist so einfach, dass sie fast wehtut:
1. Du schaust am Jahresende nach, welcher Aktienmarkt im Vorjahr am schlechtesten lief.
2. Genau diesen Markt kaufst du – bequem per ETF.
3. Ein Jahr lang passiert: nichts.
4. Nach zwölf Monaten verkaufst du wieder alles.
5. Dann kaufst du den neuen Verlierer.
6. Wieder hinlegen.
Die Idee dahinter: Märkte sind wie beleidigte Teenager – wer stark gefallen ist, hat statistisch gute Chancen auf eine Trotzreaktion nach oben.
Und jetzt kommt der Teil, bei dem aktive Trader nervös lachen: 👉 Durchschnittliche Rendite: rund 14–15 Prozent pro Jahr.
Klingt zu einfach? Ist es auch. Und genau das ist der Punkt. Natürlich funktioniert die Faulbär-Strategie nicht jedes Jahr. Faulbären sind geduldig – und manchmal auch frustriert.
Beispiel 2022:
China war der Vorjahresverlierer. Der empfohlene ETF (u. a. der **iShares MSCI China A ETF) verlor im Jahresverlauf 20,9 %.
Nicht schön. Nicht lustig. Aber historisch: einkalkuliert.
Denn wer 1992 umgerechnet 10.000 Euro investiert hätte, läge heute – je nach Berechnung – irgendwo zwischen 817.000 und knapp 894.000 Euro. Mit exakt: • null Charttechnik • null Bauchgefühl • null Stressfalten
Woher kommt die Idee?
Die Faulbär-Strategie ist der gemütliche Cousin einer alten Börsenregel: „Dogs of the Dow“. Dort kauft man die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite – oft gefallene Titel mit Erholungspotenzial.
Der Faulbär denkt größer: Warum sich mit einzelnen Firmen herumschlagen, wenn ganze Länder Fehler machen können?
Also investiert er nicht in Aktien, sondern gleich in komplette Märkte. Funktioniert das immer? Nein. Und jeder, der das behauptet, verkauft entweder Seminare oder Kristallkugeln.
Die Faulbär-Strategie ist:
• spekulativ
• zyklisch
• und emotional nur für Menschen geeignet, die bei Minus 20 % nicht sofort googeln:
„Depot auflösen Dauer“
Aber empirisch ist sie erstaunlich robust.
Aktuelle Beispiele (damit es richtig weh tut):
• 2025 war Brasilien der Vorjahresverlierer
👉 Ergebnis: +32,4 % mit dem Xtrackers MSCI Brazil ETF
Zum Vergleich:
• DAX-ETF: ca. +22,5 %
• Nasdaq-100: nur +5,9 % – trotz KI-Hype
Faulbär schlägt Technik-Nerd. Passiert.
Und wer ist der neue Faulbär 2026?
Theoretisch wäre der größte Verlierer die Börse im Libanon. Praktisch sagt die Strategie aber: Nur Märkte, die investierbar, liquide und politisch halbwegs stabil sind.
Libanon? Nein. Dänemark? ETF nur in den USA handelbar – auch nein.
Übrig bleibt: Saudi-Arabien Gekauft wird: 👉 iShares MSCI Saudi Arabia Capped ETF (ISIN: IE00BYYR0489).
Das Land öffnet sich im Rahmen der Vision 2030 zunehmend für ausländische Investoren, verspricht Kapitalmarktzugang, Investitionen und Reformen.
Ob das alles aufgeht? Niemand weiß es. Der Faulbär schon gar nicht.
Fazit: Der Faulbär ist kein Orakel – aber ziemlich entspannt
Die Faulbär-Strategie:
• ist keine Garantie
• ist nicht glamourös
• ist nichts für Kontrollfreaks
Aber sie zeigt eindrucksvoll: Geld verdienen an der Börse muss nicht kompliziert sein. Manchmal reicht es, geduldig zu sein – und einmal im Jahr aufzuwachen.
Oder anders gesagt: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Der Faulbär kassiert die Rendite.
Wer sich für das Traden interessiert
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