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„Die Dollardämmerung – oder warum plötzlich alle wieder Gold lieben“

Samstag Morgen: ich lese einen Artikel in der Zeitung „Welt“ zum Thema Gold und US-Dollar.

Früher war Gold etwas für: Omas Schmuckschatulle, dubiose TV-Werbung nachts um halb zwei und Menschen, die in Telegram-Gruppen „Systemkollaps!!!“ schreiben.

Heute kaufen es Zentralbanken. Und zwar nicht ein bisschen. Sondern so viel, dass man langsam das Gefühl bekommt, irgendwo auf der Welt müssten bereits ganze Berge fehlen. Denn während wir hier diskutieren, ob man den Kaffee inzwischen in Raten zahlen muss, passiert im Hintergrund etwas viel Größeres: Die Welt verliert langsam das Vertrauen in den Dollar.

Das Interessante an historischen Umbrüchen ist ja: Während sie passieren, wirken sie oft erstaunlich langweilig.

Die industrielle Revolution begann nicht mit Laserstrahlen und dramatischer Musik. Sondern vermutlich mit irgendeinem Mann namens Klaus, der sagte: „Die neue Maschine klingt irgendwie effizient.“

Und genauso läuft es offenbar gerade beim Finanzsystem. Nicht mit Knall. Sondern mit kleinen Verschiebungen: Zentralbanken kaufen Gold, der Dollar verliert langsam Marktanteile, Länder sichern sich unabhängiger ab. Klingt trocken. Ist aber ungefähr so trocken wie Rauch im Wohnzimmer. an.

Es gab jahrzehntelang eine einfache Regel:
Wenn irgendwo auf der Welt Chaos war, floh das Geld in den Dollar. Der Dollar war der Finanzmarkt-Version von: „Zur Sicherheit nehm ich lieber Mama mit.“

Doch jetzt passiert etwas Neues. Der Anteil des Dollars an den weltweiten Notenbankreserven sinkt seit Jahren. Gleichzeitig steigt der Goldanteil deutlich. Oder einfacher gesagt: Die Zentralbanken schauen sich den Dollar inzwischen an wie einen Handwerker, der sagt: „Vertrau mir, das hält.“

Der Goldpreis hat sich seit der Finanzkrise verfünffacht. Früher erklärte man das mit: Inflation, Nullzinsen, Krisenangst.

Heute geht es um etwas Größeres: Geopolitik. Die Welt zerfällt wieder in Blöcke: Westen hier, China und Russland dort, dazwischen viele Länder, die sich nicht mehr komplett auf Amerika verlassen wollen.

Und was macht man, wenn man keinem mehr richtig traut? Genau: Man kauft etwas, das seit 5000 Jahren niemand insolvent bekommen hat. Gold.

Während China Goldreserven aufbaut, neue Handelsblöcke entstehen und Zentralbanken hektisch umschichten, stehen wir Deutschen an der Supermarktkasse und suchen den 15-Cent-Pfandbon.

Das meine ich gar nicht böse. Aber manchmal wirkt Europa wie der letzte Fahrgast am Bahnhof, der noch gemütlich einen Kaffee holt, während der Zug bereits losrollt.

Natürlich taucht in der Analyse irgendwann auch Donald Trump auf.

Denn kaum geht es um Unsicherheit im globalen Finanzsystem, sitzt irgendwo automatisch Trump im Text wie der Endgegner in einem Videospiel: Zölle – Konflikte – Angriffe auf die Notenbank – Druck auf den Dollar.

Man bekommt beim Lesen stellenweise das Gefühl: Die Weltwirtschaft besteht inzwischen zu 40 % aus Algorithmen, 30 % aus Schulden und 30 % aus Trumps Tageslaune.

Besonders spannend fand ich: Die Deutsche Bank sagt inzwischen offen, dass Goldreserven weniger mit Geldpolitik zu tun haben – sondern mit geopolitischem Misstrauen. Das ist eigentlich ein ziemlich gewaltiger Satz.

Denn übersetzt bedeutet das: Gold steigt nicht nur, weil Anleger nervös sind. Gold steigt, weil Staaten nervös werden. Und wenn Staaten nervös werden, dann reden wir nicht mehr über Börsenstimmung. Dann reden wir über Macht.

Besonders stark kaufen laut Analyse jene Länder Gold, die sich geopolitisch eher an China oder Russland orientieren. Das klingt zunächst nach trockener Statistik. Ist aber in Wahrheit hochspannend.

Denn plötzlich stellt sich eine Frage, die vor ein paar Jahren noch absurd geklungen hätte: Was passiert eigentlich, wenn der Dollar irgendwann nicht mehr das Zentrum des Weltfinanzsystems ist? Das wäre ungefähr so, als würde Bayern München plötzlich sagen: „Ach wisst ihr was – Bundesliga interessiert uns nimmer.“

Die Prognosen für Gold reichen inzwischen bis 8000 Dollar je Unze in den nächsten Jahren. Manche rechnen sogar mit 14.000 Dollar. Das klingt verrückt. Allerdings klang früher auch verrückt: dass Autos von alleine fahren, dass Menschen freiwillig ihre Daten verschenken, oder dass man für einen Cappuccino fast sieben Euro bezahlt. Und trotzdem sitzen wir jetzt hier.

Was bleibt? Vielleicht diese Erkenntnis: Die Welt verändert sich gerade stiller, aber tiefgreifender als viele glauben. Nicht mit Explosionen. Nicht mit dramatischer Musik. Sondern mit Zentralbanken, die heimlich Gold kaufen. Und das ist vielleicht das eigentlich Beunruhigende: Wenn Staaten anfangen, sich gegen das Finanzsystem abzusichern, dann bedeutet das meistens nicht, dass sie besonders entspannt sind.

Falls Dir jemand erzählt, Gold sei nur ein „Relikt aus der Vergangenheit“ — dann schau kurz auf die Einkaufsliste der Zentralbanken.

Quelle: Focus Money
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Beispiele für mögliche Investitionen

Quelle: Focus Money
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