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Covered Calls: Die Kunst, Rendite zu kassieren, während der Markt gähnt

Oder: Geld verdienen, auch wenn die Börse döst

Nach drei Jahren Börsenhausse wirkt der Aktienmarkt ein bisschen wie ein Marathonläufer nach Kilometer 38: noch auf den Beinen, aber nicht mehr ganz so spritzig. Sollte 2026 tatsächlich ein Jahr werden, in dem Kurse eher seitwärts schlurfen als euphorisch sprinten, suchen Anleger vor allem eines: Einnahmen – bitte regelmäßig, gern planbar und möglichst ohne Nervenzusammenbruch.

Genau hier betreten sie die Bühne: Income-ETFs mit Covered-Call-Strategie. Klingt kompliziert, ist aber im Kern erstaunlich bodenständig. Und ja – sie versprechen zweistellige Ausschüttungen. Aber wie immer gilt: Auch an der Börse gibt es kein Freibier ohne Nebenwirkungen.

Keine Dividenden, keine Romantik - nur Prämien

Wichtig zuerst: Income-ETFs haben mit klassischen Dividenden-ETFs etwa so viel gemeinsam wie ein Mietwagen mit einem Oldtimer.

Beide fahren, aber aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während Dividenden-ETFs auf die Großzügigkeit von Unternehmen hoffen, gehen Income-ETFs einen pragmatischeren Weg: Sie verkaufen Optionen. Genauer gesagt Kaufoptionen – sogenannte Calls. Und dafür kassieren sie Prämien. Monat für Monat. Ganz egal, ob der Markt steigt, stagniert oder beleidigt in der Ecke sitzt.

Das Prinzip ist simpel:
Der ETF kauft Aktien (z. B. aus dem S&P 500, MSCI World oder Dax) → verkauft darauf Call-Optionen
→ kassiert die Optionsprämien
→ schüttet diese an die Anleger aus
Ergebnis:
laufende Einnahmen, oft im Bereich von sieben bis zehn Prozent pro Jahr. In Seitwärtsmärkten fast schon ein kleines Wunder. In starken Aufwärtsphasen allerdings eher ein Bremsklotz.

Der Deal: Sicherheit gegen Fantasie

Covered Calls funktionieren nach einem klaren Tauschgeschäft:

👉 Du bekommst planbare Einnahmen – verzichtest aber auf einen Teil der Kursfantasie.

Steigen die Kurse nur moderat oder gar nicht, ist alles wunderbar: Die Option verfällt wertlos, die Prämie bleibt im Topf, und der Anleger kassiert. Steigen die Kurse kräftig, wird es komplizierter: Dann werden die Aktien „abgerufen“, also verkauft – und der Gewinn nach oben ist gedeckelt. Daher auch der Name: Covered Call. Gedeckelt. Wie ein Cabrio im Winter.

Bei starken Kurseinbrüchen helfen die Prämien zwar als kleiner Stoßdämpfer, aber zaubern können sie auch nicht. Ein Crash bleibt ein Crash – nur mit Sicherheitsgurt.

Warum das trotzdem viele mögen?

Der große Charme dieser Strategie liegt nicht im großen Wurf, sondern im ruhigen Puls. Während klassische Aktienstrategien auf Wachstum hoffen, setzen Covered-Call-ETFs auf Verlässlichkeit. Monatliche Ausschüttungen, überschaubare Schwankungen, weniger Drama.

Oder anders gesagt:

👉 Das ist kein Lamborghini, sondern ein gut gefederter Kombi mit Tempomat.

Die Stars unter den Prämien-Sammlern

Besonders beliebt sind die Equity Premium Income ETFs von J.P. Morgan. Dort kombiniert man solide, eher defensive Aktien mit einer systematischen Optionsstrategie. Ziel: laufende Erträge zwischen sieben und neun Prozent pro Jahr – bei reduzierter Volatilität.

Der Ansatz ist aktiv: Man bildet den Index nicht eins zu eins nach, sondern wählt gezielt Aktien aus, die als robust gelten. Die Optionsprämien werden über sogenannte Equity Linked Notes generiert. Klingt technisch, funktioniert aber erstaunlich gut – zumindest für Anleger, die wissen, worauf sie sich einlassen.

Wer es einfacher mag, greift zu Global X. Dort läuft alles strikt nach Regelwerk: monatlich Calls verkaufen, Prämien kassieren, fertig. Kein Markt-Timing, kein Bauchgefühl. In Boomphasen bleibt man klar hinter dem Index zurück, bekommt dafür aber Berechenbarkeit – und das mögen viele mehr als Renditefantasien.

Noch sportlicher sind die IncomeShares-ETNs von Leveraged Shares, die mit ultrakurzen Optionen arbeiten, die teils am selben Tag auslaufen. Das sorgt für häufige Ausschüttungen, aber auch für höhere Schwankungen. Eher etwas für Anleger mit Nervenstärke und Lust auf Technik – nicht für den Sonntagnachmittag.

Quelle: Focus Money

Und was sagen die Kritiker?

Natürlich gibt es sie, die Spielverderber. Einige Profis warnen, dass Covered-Call-Strategien langfristig deutlich hinter klassischen Indexfonds zurückbleiben. Die Zahlen geben ihnen recht: Wer in den vergangenen fünf Jahren einfach stumpf den S&P 500 gehalten hat, liegt deutlich vor den meisten Covered-Call-ETFs.

Der Punkt ist nur: Das ist gar nicht deren Ziel. Covered-Call-ETFs wollen nicht der Schnellste sein. Sie wollen regelmäßig zahlen. Und genau das haben sie in schwierigen Marktjahren wie 2022 und 2023 auch getan – oft besser als der Gesamtmarkt.

Fazit! Kein Zaubertrick, aber ein solides Werkzeug

Covered-Call-ETFs sind kein Ersatz für ein breit gestreutes Aktienportfolio. Sie sind eher die Ertragsmaschine für ruhigere Börsenzeiten. Ideal für Anleger, die sagen: „Ich brauche keine Kursraketen – mir reicht, wenn jeden Monat etwas landet.“

Oder anders formuliert:

👉 Diese ETFs machen keinen Lärm, aber sie überweisen pünktlich.

Wer maximale Wertentwicklung sucht, bleibt bei klassischen Indexfonds. Wer regelmäßige Einnahmen schätzt und dafür auf einen Teil der Fantasie verzichtet, findet hier eine spannende Ergänzung. Kein freies Mittagessen. Aber ein ziemlich solides Abendbrot.

Wer sich für das Traden interessiert

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