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Burggräben an der Börse – oder warum manche Firmen einfach nicht kaputtzukriegen sind

An der Börse gibt es grundsätzlich zwei Arten von Unternehmen.

Die einen kämpfen jeden Tag ums Überleben.

Und die anderen erhöhen einfach still ihre Preise, während die Kunden freiwillig applaudieren.

Genau um diese zweite Kategorie geht es beim Konzept der sogenannten „Economic Moats“ – also wirtschaftlichen Burggräben.

Der Begriff wurde populär durch Warren Buffett und später systematisch von Morningstar weiterentwickelt. Die Idee dahinter ist eigentlich verblüffend simpel:

Ein gutes Unternehmen verkauft nicht nur ein Produkt. Ein wirklich starkes Unternehmen baut Schutzmauern gegen Konkurrenz auf.

Was ist eigentlich ein "Moat"?

Ein Burggraben ist ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil. Also etwas, das Konkurrenten dauerhaft auf Abstand hält. Das können sein:

starke Marken
Netzwerkeffekte
Patente
Kostenvorteile
hohe Wechselkosten
oder schlicht dominante Marktpositionen.

Oder einfacher formuliert: Der Kunde bleibt, obwohl er theoretisch auch woanders kaufen könnte.

Warum ist das für Anleger interessant?

Weil Unternehmen mit starken Burggräben häufig drei Eigenschaften besitzen:

Hohe Gewinnmargen
Stabilere Geschäftsmodelle
Langfristige Preissetzungsmacht

Und genau das wird in unsicheren Zeiten plötzlich extrem wertvoll. Denn während manche Unternehmen bereits nervös werden, wenn der Ölpreis steigt, die Zinsen steigen oder irgendwo ein Praktikant versehentlich das Passwort löscht, verdienen Moat-Unternehmen oft einfach weiter Geld. Teilweise sehr viel Geld.

Beispiele für echte Burggräben

Prominente Beispiele sind unter anderem Alphabet, Disney, Nike oder Starbucks. Und ehrlich gesagt: Die Beispiele sind ziemlich treffend.

Alphabet (Google)
Google besitzt vermutlich einen der stärksten Netzwerkeffekte der Welt. Denn je mehr Menschen Google nutzen, desto besser werden die Suchergebnisse, desto mehr Werbung fließt, desto stärker wird die Dominanz.
Oder anders gesagt: Google ist inzwischen so selbstverständlich geworden, dass viele Menschen „googeln“ sagen, selbst wenn sie gar nicht Google benutzen. Das ist Markenmacht auf Endgegner-Niveau.

Starbucks
Rein rational betrachtet verkauft Starbucks Kaffee.
Praktisch verkauft Starbucks: Atmosphäre, Gewohnheit, Marke und das Gefühl, dass ein Hafermilch-Latte mit englischem Namen irgendwie produktiver macht.
Und genau darin liegt der Burggraben.

Apple

Apple hat ein Ökosystem geschaffen, bei dem der Wechsel für viele Kunden emotional ungefähr so angenehm wäre wie ein Umzug mit drei Kindern und kaputtem WLAN.
Das nennt man: hohe Wechselkosten.

Warum Moat-ETFs gerade interessant wirken?

Moat-ETFs investieren gezielt in solche Qualitätsunternehmen.

Die Grundidee lautet: Lieber wenige sehr starke Geschäftsmodelle besitzen, anstatt einfach möglichst viele beliebige Aktien zu kaufen. Das ist analytisch durchaus nachvollziehbar. Denn langfristig entstehen viele der großen Börsengewinner genau dort, wo Unternehmen Wettbewerbsvorteile dauerhaft verteidigen können. Solche Firmen sind oft widerstandsfähiger gegenüber Krisen und Marktschwankungen.

Aber: Burggräben haben auch ihre Risiken. Und genau hier wird es spannend. Denn die Börse liebt Qualität. Manchmal etwas zu sehr. Viele Moat-Unternehmen sind inzwischen hoch bewertet.

Das bedeutet: Ein Teil der zukünftigen Erfolge steckt oft bereits im Kurs.

Oder einfacher: Wenn jeder weiß, dass ein Unternehmen fantastisch ist, dann ist diese Information meistens leider nicht mehr billig zu kaufen.

Der große Denkfehler viele Anleger

Viele glauben: „Ein starkes Unternehmen = automatisch gute Aktie.“

Das stimmt nicht immer. Denn selbst fantastische Unternehmen können schlechte Investments sein, wenn der Preis zu hoch ist. Cisco war zur Dotcom-Zeit ein hervorragendes Unternehmen. Trotzdem brauchten Anleger viele Jahre, um ihre damaligen Höchstkurse wiederzusehen.

Fazit!

Das Konzept der Burggräben gehört wahrscheinlich zu den vernünftigsten Ideen der Börsenwelt.

Denn langfristig gewinnen häufig genau die Unternehmen, die nicht jeden Tag ums Überleben kämpfen müssen.

Allerdings gilt auch: Ein Burggraben ist kein Zauberschild.

Technologie verändert sich.
Märkte verändern sich.
Kunden verändern sich.

Und manchmal verschwindet ein vermeintlich uneinnehmbares Schloss schneller, als Anleger „dauerhafter Wettbewerbsvorteil“ sagen können.

Oder wie meine Frau gestern beim Abendessen trocken meinte: „Früher hatten die Leute Nokia. Da dachte auch jeder, das bleibt für immer.“

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