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Bitcoin – Quo vadis? (2)

Bitcoin ist inzwischen vieles: digitales Gold, Spekulationsobjekt, Glaubensfrage, Beziehungsstresstest und Lieblingsthema auf jeder Grillparty mit WLAN. Eines ist er ganz sicher nicht mehr: ein vorübergehender Trend. Auch wenn er sich 2025 wieder alle Mühe gab, genau diesen Eindruck zu erwecken.

Nach dem Rekordjahr 2024, in dem sich der Bitcoin-Preis kurzerhand verdoppelte und erstmals die Marke von 100.000 US-Dollar übersprang, folgte 2025 das, was Krypto immer folgt: Ernüchterung. Kaum war im Oktober das nächste Allzeithoch erreicht, stand der Kurs im November schon wieder gut ein Drittel tiefer. Für erfahrene Krypto-Anleger ein normaler Dienstag. Für Neueinsteiger eher ein Anlass, Google nach „Was bedeutet Volatilität?“ zu fragen.

Die Achterbahn gehört zum Ticketpreis

Wer bei Bitcoin einsteigt und auf ruhige Nächte hofft, sollte vielleicht lieber ein Tagesgeldkonto eröffnen. Kursschwankungen von 30 Prozent sind hier kein Unfall, sondern ein Charakter-Merkmal. Und ja: Trotz langfristig beeindruckender Renditen entscheiden sich manche genau in solchen Phasen dazu, dem Kryptomarkt entnervt den Rücken zu kehren – meist kurz bevor es wieder aufwärtsgeht. Auch das gehört zur Tradition.

Für alle anderen gilt: Die aktuelle Phase ist weniger Party, mehr Kassensturz. Und genau das macht sie interessant. Denn anders als in Zeiten allgemeiner Euphorie hat man jetzt die Gelegenheit, in Ruhe nachzudenken, statt dem Kurs hinterherzulaufen wie einem ausgebüxten Hund.

Qelle: Focus Money

Groß, laut - und trotzdem noch klein

Bitcoin steht wie kein anderer Coin für den gesamten Kryptomarkt. Maximal 21 Millionen Stück, mehr gibt es nicht. Das Narrativ vom „digitalen Gold“ ist schnell erzählt und wird gern wiederholt – manchmal so oft, dass man fast vergisst, dass Gold keine Software-Updates braucht.

Trotzdem: Mit knapp zwei Billionen Dollar Marktkapitalisierung ist Bitcoin im Vergleich zu klassischen Anlageklassen noch immer erstaunlich klein. Der globale Anleihemarkt kommt auf über 130 Billionen Dollar. Würden davon nur zwei Prozent in Bitcoin fließen, wäre das größer als der gesamte heutige Kryptomarkt. Das zeigt vor allem eines: Viel Fantasie – aber auch viel Luft nach unten und oben.

Nicht alles, was blinkt, ist Bitcoin

Der Kryptomarkt besteht längst nicht mehr nur aus Bitcoin. Ethereum bringt mit Smart Contracts eine ganze Spielwiese für dezentrale Finanzanwendungen mit. Solana will schneller, günstiger, moderner sein – und ist entsprechend riskanter. Die Regel ist einfach und brutal ehrlich: Je kleiner der Coin, desto größer das Drama. Wie bei Nebenwerten an der Börse, nur mit mehr Emojis auf X.

Spätestens seit der Zulassung von Bitcoin- und Ethereum-ETFs in den USA ist Krypto auch offiziell im Anlagezirkus angekommen. Institutionelle Investoren sind dabei, die Regulierung schreitet voran – aus dem rebellischen Außenseiter ist ein etwas unangepasster, aber akzeptierter Portfolio-Bewohner geworden.

Rendite? Ja! Nerven? Auch!

Der Hauptgrund, warum sich Menschen mit Krypto beschäftigen, bleibt unverändert: die Aussicht auf hohe Gewinne. Die ganz großen Vervielfachungen der Frühzeit sind zwar Geschichte, doch das Renditepotenzial ist im Vergleich zu etablierten Anlageklassen weiterhin attraktiv.

Der Preis dafür ist bekannt: massive Schwankungen. Rückgänge von 70 oder 80 Prozent vom Hochpunkt sind historisch keine Ausnahme, sondern Teil der Lernkurve. Wer hier investiert, sollte nicht nur einen langen Atem haben, sondern auch die Fähigkeit, nicht jeden Kursrückgang persönlich zu nehmen.

Die gute Nachricht: Mit wachsender Marktreife und Akzeptanz nehmen die extremsten Ausschläge tendenziell ab. Die schlechte: Sie verschwinden nicht vollständig.

Diversifikation - manchmal ja, manchmal nein

Bitcoin galt lange als unabhängig vom Aktienmarkt – ein idealer Diversifikator. Spätestens seit der Pandemie lief er jedoch oft im Gleichschritt mit Tech-Aktien. Risiko blieb Risiko. In jüngerer Zeit zeigen sich wieder Entkopplungstendenzen. Ähnlich wie Gold kann Bitcoin also phasenweise helfen, ein Portfolio breiter aufzustellen. Garantiert ist das allerdings nicht – Bitcoin bleibt Bitcoin.

Qielle: Focus Money

Wie viel Krypto verträgt ein Portfolio?

Die entscheidende Frage lautet nicht ob, sondern wie viel. Analysen zeigen: Schon kleine Beimischungen können Wirkung entfalten. Zwei Prozent Bitcoin im Portfolio – statt eines Teils der Anleihen – hätten in der Vergangenheit die Rendite spürbar erhöht, ohne das Risiko explodieren zu lassen. Fünf Prozent bringen mehr Rendite, aber auch deutlich mehr Magenschmerzen. Kurz gesagt: Die Dosis macht das Gift.

Quelle: Focus Money

Kaufen - aber bitte mit Plan

Wer heute Krypto ins Portfolio holen will, muss kein Technik-Nerd mehr sein. In Europa erfolgt der Zugang meist über börsengehandelte Produkte wie ETNs, die sich so einfach handeln lassen wie Aktien. Wallets, private Keys und kryptische Passwörter sind optional – und für viele ein Segen.

Entscheidend ist nicht der Einstiegspunkt, sondern die Disziplin danach. Buy-and-hold kombiniert mit regelmäßigem Rebalancing hat sich bewährt. Gewinne mitnehmen, wenn der Anteil zu groß wird. Nachkaufen, wenn er schrumpft. Klingt langweilig – funktioniert aber erstaunlich gut.

Auf folgender Seite findet man eine Übersicht über investierbare Bitcoin-ETFs oder – ETCs
–> justETF

Aktuelle charttechnische Einschätzung

Bitcoin/USD hat seinen Aufwärts-Trend verlassen und trifft jetzt bei ca. 75.000 USD auf eine erste Unterstützung. Hier sind Gegen-Bewegungen nach oben möglich.

Allerdings konnte in den letzten Monaten Bitcoin nicht mehr von einem Anstieg der Technologie-Börse NASDAQ profitieren. Deshalb würde bei einer möglichen Korrektur der Tech-Aktien Bitcoin noch weiteres Abwärtspotenzial bis in den Bereich 50.000 USD  -oder im Extremfall auch tiefer –  haben.

Qelle: Stock3, eigene Bearbeitung

Wer sich intensiver mit der charttechnischen Situation von Bitcoin beschäftigen möchte, dem empfehle ich ein Video des Elliot-Wave-Kanals HKCM. 

Fazit!

Bitcoin ist kein Allheilmittel, aber auch kein Spuk.

Kryptowährungen bleiben eine Anlageklasse mit außergewöhnlichem Potenzial und außergewöhnlichen Schwankungen. Richtig dosiert können sie ein Portfolio bereichern. Überdosiert ruinieren sie den Schlaf.

Oder anders gesagt:

Bitcoin ist kein Ersatz für solides Investieren. Aber er ist auch nicht mehr wegzudenken. Wer ihn versteht, klein hält und aushält, könnte langfristig profitieren. Wer ihn liebt oder hasst, ist vermutlich schon zu emotional investiert. Und das war an der Börse noch nie ein guter Plan

Wer sich für das Traden interessiert

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