1. Betrachtung der letzten Wochen
Der Bitcoinkurs ist wieder unter die 90.000-US-Dollar-Marke gefallen – und das, obwohl gefühlt „alle“ bullish waren auf Zinssenkungen und mögliche Anleihenkäufe der US-Notenbank. Die Maßnahmen wurden zwar bestätigt: 40 Milliarden US-Dollar sollen innerhalb von 30 Tagen in kurzfristige T-Bills fließen.
Trotzdem blieb der große „Wumms“ aus. Die einfache Rechnung „Zinssenkung rein = Kurse hoch“ hat wieder nicht funktioniert – Überraschung: Märkte sind leider keine Mikrowelle.
Am Marktbild sieht man: Bitcoin lief zwischenzeitlich wieder hoch (bis in den Bereich um 94.500), wurde dann aber zügig abverkauft. Dazu kommt: Der Gesamtmarkt drehte erneut in den roten Bereich, und auch Ethereum gab einen guten Teil der Gewinne wieder ab. Der Kernpunkt, der sich wie ein Ohrwurm hält: Es fehlt weiterhin echte Nachfrage. Orderflow-Daten zeigen, dass ein richtiger Kaufdruck nicht da ist – und genau das bremst.
2. Aktuelle Situation
Wichtig ist auch die Einordnung der Fed-Thematik:
• Quantitative Tightening ist gestoppt, die Bilanz steigt leicht.
Die quantitative Straffung, auch bekannt als QT, bezieht sich auf den Prozess der Reduzierung der Bilanzsumme einer Zentralbank. Diese Reduzierung erfolgt durch den Verkauf der Vermögenswerte, die die Zentralbank im Rahmen ihres Programms der quantitativen Lockerung (QE) erworben hat. Das Ziel von QT ist es, die Inflation zu kontrollieren und die Wirtschaft zu stabilisieren, indem die überschüssige Liquidität, die während der QE in den Markt injiziert wurde, reduziert wird. • Aber: Das ist noch kein klassisches Quantitative Easening
Wenn eine Zentralbank quantitative Lockerung (QE) umsetzt, kauft sie Staatsanleihen und andere Wertpapiere vom Markt. Diese Liquiditätsinjektion stimuliert die wirtschaftliche Aktivität, indem sie die Zinssätze senkt und das Kreditwesen anregt. Wenn die Wirtschaft sich jedoch erholt, kann übermäßige Liquidität zu Inflation führen. • Es sind primär kurzfristige T-Bill-Käufe (Reserve-Management), eher „Wassertank auffüllen“, damit das Finanzsystem nicht trockenläuft – nicht das große Konjunktur- und Asset-Preis-Feuerwerk wie in Krisenzeiten.
Für Bitcoin bedeutet das: moderat positiv, weil der Liquiditätsgegenwind nachlässt. Aber: „40 Milliarden rein = Bullrun sofort“ ist eher Social-Media-Logik als Makroanalyse.
3. Ausblick für die nächsten Monate
Die entscheidende Frage für die kommenden Monate ist nicht „Kommt QE?“, sondern: Wie entwickeln sich Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Inflation – und damit die Realzinsen und der Risikoappetit?
Denn für einen echten, breiten Risk-on-Modus braucht es typischerweise:
• fallende Realrenditen, • lockere Finanzbedingungen
• und vor allem: das Gefühl am Markt, dass „nichts schiefgehen kann“
(was erfahrungsgemäß genau der Moment ist, in dem dann doch irgendwas schiefgeht).
4. Charttechnische Betrachtung
Die charttechnische Situation zeigt, dass der Aufwärtstrend der letzten Jahre bisher gehalten hat. Nur weil da eine Zone ist, heißt das aber nicht, dass Bitcoin höflich anklopft und sagt: „Guten Tag, ich bin zur Unterstützung zurück.“
Manchmal tritt er die Tür ein, manchmal dreht er vorher nochmal eine Ehrenrunde.
Dies wäre dann der Fall, wenn es Bitcoin gelingen würde, über 95.000 USD anzusteigen. Dann wäre eine weitere Erholung bis in den Bereich von 100.000 – 110.000 möglich. Dies wäre aber aus meiner Sicht nur eine Zwischenerholung, da das eigentliche Unterstützung-Niveau eher bei 50.000 – 70.000 USD liegen könnte. Das wäre für mich wieder ein Niveau, wo ich als Langfrist-Käufer auftreten würde. Den Ausbruch nach oben würde ich als Trader versuchen mitzunehmen.
Mein Fazit für die nächsten Monate
• Wenn die Nachfrage zurückkommt und sich Liquidität spürbar verbessert, kann Bitcoin wieder Fahrt aufnehmen.
• Wenn Rezessionssorgen zunehmen und Risikoassets allgemein unter Druck geraten, wird es vorher nochmal ungemütlich werden.
• Und wie immer gilt: Bitcoin ist langfristig gern der Held der Geschichte – kurzfristig aber auch mal der Nebencharakter im Drama.
Wer sich für das Traden interessiert
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