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Altersvorsorge – Lebensversicherung und ETF-Sparpläne im Vergleich

Dass die gesetzliche Rente künftig nicht reichen wird, um im Alter sorgenfrei Croissants statt Discounter-Zwieback zu essen, gilt inzwischen als gesicherte Erkenntnis. Die entscheidende Frage lautet also nicht ob man privat vorsorgen sollte, sondern wie.

Wie wär's mit einer Lebensversicherung?

Klassisch deutsch wäre die Lebensversicherung: teuer, sicherheitsverliebt, steuerlich charmant. Moderner Herausforderer: der ETF-Sparplan – günstig, schwankungsfreudig und von Versicherungsvertretern wahlweise geliebt oder gefürchtet.

Deutschland war lange das Land der Dichter, Denker – und der Lebensversicherung. Trotz überschaubarer Renditen hält sich dieses Produkt erstaunlich hartnäckig. Der Branchenprimus Allianz Leben meldet sogar wachsendes Neugeschäft. Offenbar stirbt die Liebe zur Police langsamer als der Faxapparat im Büro.

Die Versicherer haben das Produkt inzwischen ordentlich modernisiert und locken mit Steuervorteilen gezielt die junge Generation, die eigentlich lieber monatlich ETFs kauft und dabei das Wort „Provision“ zu vermeiden versucht. Die Zeitung „WELT“ hat daher nachgerechnet: Wer macht das Rennen – die ehrwürdige Lebensversicherung oder der dynamische ETF-Sparplan?

Die klassische Rentenversicherung: Stabil, aber gemütlich

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Für echten Vermögensaufbau eignet sich die klassische private Rentenversicherung nur noch eingeschränkt. Die Allianz etwa lässt ihre Überschussbeteiligung bei 2,7 Prozent. Wichtiges Detail im Kleingedruckten: Das gilt erst nach Kosten – also netto, aber eben sehr netto. Wer mit 2,7 Prozent arbeitet, braucht gut 26 Jahre, um sein Geld zu verdoppeln. Das ist keine Altersvorsorge, das ist Geduldstraining.

Selbst Altverträge mit vier Prozent Garantie wirken heute trotz Nostalgie-Bonus nicht mehr sexy. Das Problem liegt weniger im Markt, sondern im Design: Garantien zwingen zu Vorsicht – und Vorsicht ist der natürliche Feind der Rendite.

Garantien: Beruhigend für's Gewissen, teuer für's Ergebnis

Darum setzen Versicherer zunehmend auf Hybridmodelle. Sie garantieren nicht mehr Rendite, sondern nur noch, dass ein Teil der Einzahlungen am Ende noch da ist. Bei der Allianz entscheiden sich Kunden im Schnitt für ein Garantieniveau von 69 Prozent. Frei übersetzt: „Bitte sorgen Sie dafür, dass ich möglichst wenig verliere – auch wenn ich dafür auf Gewinne verzichte.“

Dabei zeigen historische Daten klar: Wer lange genug investiert, braucht selten Garantien. Selbst nach dem Börsencrash von 1929 dauerte es „nur“ 15,5 Jahre, bis Aktien wieder auf altem Niveau waren. Die Finanzkrise 2008 war nach gut fünf Jahren vergessen. Sparpläne profitieren zusätzlich vom Durchschnittskosteneffekt – sie kaufen günstig nach, wenn andere nervös werden. Garantieprodukte hat WELT deshalb bewusst außen vor gelassen. Denn nach Kosten liefern sie meist nur vier bis fünf Prozent Rendite – damit kann ein ETF-Sparplan langfristig sehr gut leben. Und gewinnen.

Der Joker der Lebensversicherung: die Steuer

Ganz abschreiben darf man die Police dennoch nicht. Ihr stärkster Trumpf ist das Steuerrecht. Während der gesamten Ansparphase bleibt der Fiskus draußen. Keine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale, keine bösen Briefe vom Finanzamt. Am Ende wird es nochmals günstiger: Unter der 12/62-Regel (mindestens zwölf Jahre Laufzeit, Auszahlung ab 62) muss nur die Hälfte der Erträge mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Das ist attraktiver als die Abgeltungsteuer beim ETF, die inklusive Solidaritätszuschlag bei 26,375 Prozent liegt – mit Kirchensteuer eher in Richtung 28 Prozent.

Der ETF kontert dafür mit seinem ultimativen Vorteil: extrem niedrige Kosten. Und die sind die geheime Superkraft des langfristigen Vermögensaufbaus.

Das direkte Duell: InvestFlex gegen ETF

Verglichen wurden deshalb ein ETF-Sparplan und eine fondsgebundene Rentenversicherung ohne Garantien – konkret die „InvestFlex“ der Allianz Leben.

Beide investieren am Kapitalmarkt, der Unterschied liegt im Mantel. Ein Musterfall: 37 Jahre Laufzeit, 100 Euro monatlich.
Vorteil der Versicherung: Fondswechsel und Umschichtungen sind steuerfrei.
Nachteil der Versicherung: Abschlusskosten, die gleich zu Beginn zugreifen wie ein schlecht gelaunter Türsteher.

Die Allianz beziffert die jährlichen Gesamtkosten auf 1,3 Prozent. Bei 7,5 Prozent Marktrendite bleiben dem Kunden effektiv 6,2 Prozent. Ergebnis: 44.400 Euro Einzahlungen werden zu rund 165.200 Euro.

Der ETF-Sparplan? Kostet rund 0,1 Prozent im Jahr. Ergebnis: rund 220.000 Euro – also 55.000 Euro mehr. Wer statt Modellannahmen reale Marktdaten (MSCI World, 37 Jahre) verwendet, landet bei 282.433 Euro fürs ETF-Depot und rund 210.000 Euro für die Versicherung.

Nach Steuern wird abgerechnet

Kann der Steuervorteil der Versicherung das aufholen? Kurz gesagt: nein. Nach Steuern bleiben beim ETF rund 238.000 Euro übrig, bei der Versicherung etwa 185.000 Euro. Differenz: 44.000 Euro zugunsten des ETF-Sparplans.

Zwar fällt beim ETF während der Laufzeit die Vorabpauschale an. Doch dank Sparerpauschbetrag greift sie erst ab einem Depotwert von rund 81.600 Euro – im Beispiel erst ab dem 26. Jahr. Insgesamt kostet sie über die Laufzeit rund 7800 Euro. Ärgerlich, aber kein Spielverderber.

Quelle: Die "WELT"
Quelle: Die "WELT"

Fazit!

Damit die Versicherung gewinnt, müssten ihre Kosten drastisch sinken – Richtung 0,5 Prozent.

Das ist derzeit so realistisch wie ein kostenfreier Flughafensnack. Gleichzeitig bleibt ein politisches Restrisiko: Steigt die Steuerlast auf Kapitalerträge, könnte sich das Blatt wenden.

Aktuell aber gilt: Der ETF-Sparplan gewinnt – klar, nüchtern und rechnerisch. Die Lebensversicherung schlägt sich besser als ihr Ruf, bleibt aber Zweiter. Wie so oft im Leben entscheidet nicht das gute Gefühl – sondern das Kleingedruckte.

Wer sich für das Traden interessiert

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